An ihrer gemeinsamen Medienorientierung liessen die beiden neuen Luzerner Regierungsräte Robert Küng und Reto Wyss ein kleines Frühstücksbuffet auftischen. Willisauer Ringli gehörten dazu – Küngs Symbol aus dem Wahlkampf – und Heliomalt. Gemäss Werbung verleihe dieses «Kraft für zwei», sagte Wyss. Das Milchgetränk solle versinnbildlichen, wofür die beiden Neo-Magistraten einstehen: «Zu zweit erreicht man mehr.»
Teamgeist sei ihnen wichtig, betonten Küng und Wyss unisono. Deshalb luden sie auch erstmals in der Geschichte zu einer gemeinsamen 100-Tage-Bilanz ein. Diese fand am Dienstag in der Hochschule Technik & Architektur in Horw statt. Hier treffen die Tätigkeitsfelder der beiden aufeinander: das Bau- und Wirtschaftsdepartement von FDP-Mann Küng und das Bildungs- und Kulturdepartement des CVP-Vertreters Wyss. Gemeinsamkeiten bestünden aber auch sonst etwelche: «Wir politisieren bürgerlich, wir waren vorher KMU-Unternehmer und Präsidenten einer Exekutivbehörde auf Gemeindeebene.»
Konstruktive Regierungsarbeit
Beide Regierungsräte betonten, wie wohl sich in ihrer neuen Funktion fühlten. Er habe sich in seinem Wunschdepartement gut eingelebt, sagte Robert Küng. Allerdings habe er sich an einige Neuerungen erst gewöhnen müssen. Etwa an die fremdgesteuerte und stets prall gefüllte Agenda. Auch seine reichhaltigen Kompetenzen seien für ihn neu gewesen. Als er beispielsweise seine Mitarbeiter fragte, ob sie denn für ein Projekt noch Kapazitäten frei hätten, lautete die Antwort: «So etwas müssen Sie uns nie fragen.» Die Arbeit in der Regierung wiederum sei formell, aber sachlich und konstruktiv. «Ich spüre ein gegenseitiges Vertrauen», so Küng. Auch Bauingenieur Wyss gefällt sein neuer Arbeitsbereich. «Das politische Schicksal hat mir eine glatten 6er zugewürfelt», sagte der neue Bildungsdirektor. Freilich war sein Einstieg turbulent, insbesondere wegen den Verhandlungen über die Hochschul-Konkordate.
Seetalplatz und Tiefbahnhof
Auch wenn er einen etwas weniger hektischen Amtsantritt hatte als sein Kollege Wyss, auf Robert Küng wartet ebenfalls sehr viel Arbeit. Er sieht im Bau- und Wirtschaftsdepartement derzeit drei grosse Herausforderungen: «Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, eine geordnete Raumentwicklung unter Berücksichtigung der knappen Ressourcen und die anstehenden Neuerungen um das Thema Energie.» Insgesamt seien dies «gewaltige Aufgaben», welche die gesamte Kantonsbevölkerung tangierten.
Bei den beiden anstehenden Grossprojekten Seetalplatz und Tiefbahnhof Luzern sei ein «Miteinander von Stadt und Land» erforderlich, so Küng. In Sachen unterirdischer Zufahrt des Bahnhofs Luzern betreibt auch er derzeit intensive Lobbyarbeit und ist deswegen regelmässig in Bern zugegen.
Höhere Löhne für Kantilehrer
Reto Wyss betonte erneut, dass die Zeit der Reformen in der Volksschule vorüber seien und eine Konsolidierungsphase anstehe. Unter einem Vorbehalt: «Die gesellschaftlichen Rahmenentwicklungen werden wir weiterhin beobachten.» Auf Ebene der Gymnasien nannte er als eine der Herausforderungen die Maturitätsquote. «Sie soll nicht künstlich hochgehalten werden, sondern hat der wirklichen Nachfrage zu entsprechen.»
Weiter bestehe in Sachen Löhne von Gymnasiallehrpersonen Handlungsbedarf. Die hiesigen Saläre liegen im gesamtschweizerischen Vergleich im unteren Bereich der Skala, was die Rekrutierung an den Luzerner Kantonsschulen erschwert. Für die geplanten Erhöhungen wird Wyss aber wohl noch hart kämpfen müssen. «Ich hoffe, das Projekt übersteht die anstehende Sparrunde.»
Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinaus
Interkantonale Kooperationen würden immer wichtiger, sagten Wyss und Küng. Nicht zuletzt, damit Luzern den Anschluss nicht verpasse. Der Erziehungsdirektor sprach unter anderem die neue Trägerschaft der Fachhochschule Zentralschweiz an, aber auch das Konkordat für die Pädagogische Hochschule. Dieses haben die beteiligten Partner bekanntlich aufgekündigt. In Zukunft werden hier Luzern und Zug zusammenarbeiten. Ferner strebt Wyss einen Kulturlastenausgleich an. Will heissen: die anfallenden Kosten des Kulturbetriebs sollen genauer zwischen Luzern und den umliegenden Kantonen aufgeteilt werden.
Robert Küng nannte als Beispiele für eine Kooperation mit den Nachbarn unter anderem den öffentlichen Verkehr und den Strassenbau. Zudem ist Luzern Teil der Konferenz Metropolitanraum Zürich und arbeitet mit dem Aargau zusammen.
Die beiden Magistraten setzen folglich nicht nur innerhalb der Regierung auf Zusammenarbeit. Dazu Reto Wyss: «Wir sind begeisterte Luzerner. Aber unser Horizont hört nicht an der Kantonsgrenze auf.».








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