Projekt Talstrasse auf dem Prüfstand

Am Mittwoch hat der Regierungsrat sein neues Bauprogramm vorgestellt. Nun ist klar: Die Talstrasse wurde in den Topf C zurückgestuft, das hat aber gemäss Regierungsrat Robert Küng gute Gründe.

Das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern hat am Mittwoch an einer Medienkonferenz den Entwurf für das neue Bauprogramm für Kantonsstrassen vorgestellt, welches nun bei Gemeinden, Parteien, Verbänden und Interessierten in die Vernehmlassung geht. Das Programm gilt von 2015 bis 2018 und listet die Stras­senbau-Projekte des Kantons auf. Diese werden in verschiedene, sogenannte Töpfe eingeteilt. Wirkung, Relevanz, Kosten und Nutzen der Projekte entscheiden über die Einteilung.

Zurück in den Topf C

Im Entwurf wird die Talstrasse, welche die Gemeinden Eschenbach, Ballwil und Hochdorf umfahren soll, im Topf C aufgeführt. Das ist wohl für die Befürworter ein Schock. Im vergangenen Bauprogramm wurde die Talstrasse nämlich im Topf B geführt. Topf C bedeutet, dass kein Datum feststeht, wann gebaut werden soll. Bei genauerem Hinschauen stellt man aber fest, dass für die Talstrasse im Topf A 1,5 Millionen Franken eingesetzt werden. Dies für die Bauprogramm-Zeitspanne von 2015 bis 2018. Drei Grossprojekte im Kanton zeigen diesen vermeintlichen Widerspruch: Die Umfahrung Wolhusen, die sogenannte Spange Nord in Luzern und eben die Talstrasse. Für Letztere bedeutet dies konkret, dass bis 2018 Vorprojekte ausgearbeitet werden, inklusive einer Umweltverträglichkeitsprüfung. «Wir brauchen bei diesen Grossprojekten eine Planungssicherheit bezüglich der Kosten und der Linienführung», sagte Kantonsingenieur Rolf Bättig an der Medienkonferenz in Luzern. Und Regierungsrat Robert Küng ergänzte: «Die Projekte sind auch eine politische Herausforderung.» Will heissen, schlussendlich entscheidet das Stimmvolk und es gelte abzuwägen, ob dieses den Projekten zustimme. So gesehen sei die Einteilung der Talstrasse in den Topf C keine Rückstufung, sondern eine Sonderlösung, so Küng weiter.

Auch Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung und Strassen der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif), ist überzeugt, dass Topf C die richtige Wahl ist: «Die Talstrasse ist ein Grossprojekt. Nach dem Vorprojekt wird ein Bauprojekt realisiert, es folgen die öffentliche Auflage, vielleicht Einsprachen bis hin zu einer Volksabstimmung. Es wäre unrealistisch, das Ganze im Topf A, also bis 2018, realisieren zu wollen.»

Nun geht es mit den Vorprojekten ums Eingemachte, was die exakte Linienführung betrifft. Die vorgeschlagenen Varianten bergen einiges an Zündstoff in sich, zumindest für die Gemeinde Eschenbach. Denn es ist absolut im Bereich des Möglichen, dass zum Schluss nur Ballwil und Hochdorf umfahren werden, Eschenbach aber «leer» ausgeht. So oder so ist aber nun klar: Es werden noch viele Jahre vergehen, bis mit Bauarbeiten dieses gemäss der Idee Seetal AG «Jahrhundertwerks» begonnen werden kann – wenn das Geld dann vorhanden ist.   

Vier Varianten der Linienführung

Gemäss Vorschlag der Regierung sollen vier Vorprojekte für die Talstrasse ausgearbeitet werden. Die Variante 1d (siehe Abbildung) zeigt die bisher bekannte Linienführung (der «Seetaler Bote» hat diese mit Fotos vorgestellt: siehe Dossier auf www.seetalerbote.ch). Bei 1d biegt die Umfahrungsstrasse vor Eschenbach von der Inwilstrasse vor dem Kreisel ab und überquert nach Eschenbach die Luzernstrasse Richtung Hochdorf.

Die Variante 1a wird entweder tief, also mit einem Tunnel, oder oberirdisch geführt. Hier biegt die Talstrasse zwischen Kreisel und Bahnunterführung rechts ab. Während des Variantenstudiums hat der Gemeinderat Eschenbach eine Untertunnelung gefordert (siehe Dossier). Die nun vorgestellte Linienführung entspricht den Wünschen des Gemeinderates.

Brisant ist die Variante 2b, welche als erste Etappe der Linienführung 1a tief und 1d vorgestellt wurde. Diese Variante zeigt «nur» die Umfahrung der Gemeinden Ballwil und Hochdorf. Wenn diese «Etappe» gebaut wird, besteht die Möglichkeit, dass je nach finanzieller Lage dies schlussendlich die Talstrasse sein wird. Eine reine Umfahrung Eschenbach resultiert nicht aus dem Variantenstudium, wie Beat Hofstetter auf Anfrage bestätigt.

«Nur tief kommt in Frage»

Für Guido Portmann, Gemeindepräsident von Eschenbach, macht eine erste Etappe zwischen Hochdorf und Ballwil keinen Sinn. «Wir müssen doch von vorne beginnen, also beim Autobahnanschluss. Sonst stehen alle wieder in Eschenbach.» Wenn keine Umfahrung  Eschenbach umgesetzt werde, «dann bleibt alles wie es ist. Also starker Verkehr, alle regen sich auf.» Portmann betont aber auch, dass für die Gemeinde nur eine Variante «tief», also eine Untertunnelung, infrage käme. «Wir müssen doch endlich die Schonung von Grünflächen und Kulturland ernst nehmen», so Portmann. Zusätzlich belaste eine weitere Strasse die Bevölkerung. «Wir müssen weiterdenken, wie damals, als es um die Rettung der Seetalbahn ging.» Heisst in diesem Fall: Sparen und dafür so viel wie möglich unter den Boden. Denn das werde in einigen Jahren sowieso noch die einzige Lösung sein.

55 Millionen pro Jahr

Neben den 1,5 Millionen Franken im Topf A und 3 Millionen im Topf B ist der grösste Teil des Geldes für das Projekt Talstrasse, 105 Millionen, im Topf C. Insgesamt sind nun im Entwurf des Bauprogramms in den Töpfen B und C 1,1 Milliarden Franken. Ob dieses Geld dereinst wirklich zur Verfügung steht, weiss naturgemäss niemand. 2018 wird das nächste Bauprogramm vorgestellt, dieses wird wieder die einzelnen Projekte in die verschiedenen Töpfe einstufen, aufgrund der «Wirkung, Relevanz, Kosten und Nutzen». Klar ist, dass kaum 1,1 Milliarden zur Verfügung stehen werden, um alle Projekte auch tatsächlich umzusetzen. Pro Jahr stehen dem Kanton rund 55 Millionen für Strassenbauten zur Verfügung. Die Situation wird also 2018 neu beurteilt und dann wird bezüglich der Grossprojekte entscheidend sein, was die Vorprojekte ergeben haben. Wenn die Talstrasse dann nicht im Topf A landet, heisst dies weitere vier Jahre Bauverzögerung. Also frühester Start 2023.
Beratung im November 2014

Die Kommission Verkehr und Bau unter dem Präsidium des Ballwiler Kantonsrats Markus Odermatt wurde am Freitag über den Entwurf informiert. «Wir sahen den Entwurf zum ersten Mal und können darum noch nichts sagen», so Odermatt. Die Kommission habe noch weitere Unterlagen eingefordert und werde dann das umfangreiche Dokument prüfen. Ob daraus irgendwelche Anträge resultieren werden, sei vollkommen offen.

Im Rahmen der Vernehmlassung können nun die eingeladenen Gemeinden, Verbände und Parteien weitere Projekte beantragen, oder Vorhaben zurückziehen. Die Vernehmlassung dauert bis zum 12. Dezember. Dem Regierungsrat wird das bereinigte Programm voraussichtlich im Juni 2014 vorgelegt. Der Kantonsrat berät das Bauprogramm schliesslich im November 2014.

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