«Es sind lediglich Korridore definiert»

Postulate, Anfragen, eine IG der Gegner, Infoveranstaltungen – kein Zweifel: Die Talstrasse beschäftigt die Gemüter. Mittendrin die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif).

Beat Hofstetter (links) und Roland Meier von der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur.

Die Regierung muss in der Causa Talstrasse zwei Postulate und eine Anfrage aus dem Kantonsrat behandeln. SP-Kantonsrätin Trudi Lötscher-Knüsel aus Hitzkirch stellt dabei die Frage: «Was ist der Grund von so viel Geheimniskrämerei?» Dabei spricht sie die zukünftigen Linienführungen der geplanten Talstrasse an. Nicht einmal die Verkehrs- und Baukommission, deren Mitglied Trudi Lötscher-Knüsel ist, sei trotz Nachfragen über die Varianten informiert worden. Vor allem schweigen neben den Gemeindevertretern und der Idee Seetal AG, so die Kantonsrätin in ihrer Anfrage, auch die zuständige Dienststelle vif. Den gleichen Vorwurf formulierten auch die betroffenen Landwirte. Die Dienststelle vif informiere schlecht und halte Pläne über die Linienführung zurück.

Infoveranstaltung

Heute Donnerstag wird nun Roland Meier, Projektleiter bei der vif, an einer Infoveranstaltung der Idee Seetal AG über den Stand der Planungsarbeiten und auch über das abgeschlossene Variantenstudium informieren. Das ist das erste Mal, dass die Öffentlichkeit Einblick in das Variantenstudium erhält. «Es ist üblich, dass ein solches Studium in Zusammenarbeit mit den Gemeinden entwickelt wird», erklärt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen bei der vif. «Wir haben alle möglichen Varianten geprüft, wie zum Beispiel Varianten Richtung Sempach oder Cham, sowie auch die sogenannte Nullvariante», sagt Roland Meier. Also eine Variante, die dem heutigen Zustand entspricht. «Eine der Fragen war, wie man schnell auf eine Autobahn gelangt, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse, die Ortskerne zu entlasten, die Kiesabbaugebiete sinvoll anzuschliessen, der Umweltverträglichkeit, der Kosten und der Risiken in den Verfahren», so Roland Meier weiter. Im Hinblick auf die Anfragen und Vorstös­se sagt Beat Hofstetter, dass diese der Regierungsrat beantworten wird.

Bis heute existiert noch kein parzellengenauer Plan der geplanten Talstrasse. «Es sind Korridore definiert», so Roland Meier. Ein Strich auf einer 50 000-er Karte entspreche in etwa der Linienführung, bedeute aber in der Realität einen Korridor von rund 50 Meter Breite. «Wir befinden uns im Moment in der Phase des Vorprojekts», so Meier weiter. Dazu gehörten die Erarbeitung der Grundlagen für die konkrete Planung. Das Ziel sei eine parzellengenaue Linie für die Talstrasse. Diese hänge aber von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie Bodenbeschaffenheit, Gelände, Anschlüsse und einiges mehr. Es gibt zwar Karten vom Variantenstudium her, das sind aber, wie schon angesprochen, nur Korridore für eine mögliche Linienführung.

Der Regierungsrat hat das Variantenstudium zur Kenntnis genommen. Dieser habe dann vier favorisierte Varianten vorgestellt. Das war im Oktober 2013 anlässlich einer Medienorientierung in Luzern. Der Regierungsrat präsentierte im Zusammenhang mit dem neuen Bauprogramm die Varianten V1a, V1a tief, also mit einem Tunnel in Eschenbach, sowie die Varianten V1d und V2d (der «Seetaler Bote» hat dazu die Karten veröffentlicht, siehe das Dossier Talstrasse unter www.seeta­lerbote.ch/dossiers.html). Damit wäre auch die Frage von Trudi Lötscher-Knüsel in ihrer Anfrage an die Regierung beantwortet, woher die Zeitungen ihre Informationen herhaben.  

Bodenproben

Zu reden gab kürzlich auch die Entnahme von Bodenproben auf der geplanten Linienführung. Die betroffenen Landbesitzer wiesen zum Teil die beauftragten Fachleute, welche mittels eines Bohrstockes Bodenproben entnehmen wollten, von ihren Grundstücken. Auch hier wurde der Vorwurf formuliert, die Dienststelle habe zu wenig gut informiert. «Wir haben uns wie üblich verhalten und alle schriftlich informiert», betont Beat Hofstetter. Zudem sei es so, dass gemäss Strassengesetz die Entnahme von Bodenproben zur Grundlagenbeschaffung legitim sei. «Aber natürlich nehmen wir auch Rücksicht auf die Vegetation», so Hofstetter, und die habe ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Weil die Vegetation dank des warmen Frühlings so weit gediehen ist, können wir vorerst keine Bodenproben entnehmen.» Bei den Baggerschlitzen, also Bodenproben mit einer Baggerschaufel, werde man mit den Betroffenen Kontakt aufnehmen und sich absprechen, versichert Hofstetter. Die Bodenproben seien für die konkrete Planung aber entscheidend, und damit auch für die genaue Linienführung.

Ein langer Weg

Für Roland Meier ist klar; es ist noch ein langer Weg bis zur Konkretisierung der Talstrasse. Die Planungsarbeiten für das Vorprojekt werden mehr als zwei Jahre beanspruchen. Dann erst würde ein Bauprojekt erstellt, danach gibt es eine Auflage und eine Projektgenehmigung. Weiter müsste die Finanzierung gesichert werden, dazu gäbe es eine kantonale Abstimmung. Danach wird das Detailprojekt erarbeitet und die verschiedenen Unternehmungen gesucht, erst dann könne gebaut werden.

Die Dienststelle vif handle dabei im Auftrag des Kantons und damit innerhalb des Bauprogramms für die Kantonsstrassen und des kantonalen Richtplans. «Wir werden Informationen auf unserer Internetseite aufschalten», sagt Roland Meier. Zudem werde die Öffentlichkeit an der Infoveranstaltung informiert.
Zu den Vorstössen und Anfragen wollte Beat Hofstetter nichts sagen. «Der Regierungsrat wird diese beantworten.» Aber auch das gehöre zu einem Projekt dazu, nicht nur zum Projekt Talstrasse.

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