Für ihn gibt Jupiter alles preis

Im letzten Teil der diesjährigen Sommerserie zeigte Hobby-Astronom Edgar Steiner aus Hochdorf, was der Seetaler Nachthimmel alles zu bieten hat. Das Resultat ist verblüffend – zumindest, wenn man die richtigen Instrumente bei sich hat. Sein Teleskop zeigte Details vom Mond, welche mit blossen Auge nur erahnt werden können. Auch Planeten waren zu sehen. Unter anderem der grösste Himmelskörper unseres Sonnensystems.

Edgar Steiner macht sein Teleskop bereit.

Auf dem schmalen Feldweg oberhalb von Hohenrain setzt langsam die Dämmerung ein. Der Mond ist an diesem lauen Abend im August bereits aufgegangen und beleuchtet die Wiesen. «Heute ist Halbmond, das ist gerade noch o.k., um die Planeten sehen zu können», sagt Edgar Steiner und wühlt in einer grossen Tasche, die er im Kofferraum seines Autos verstaut hat. Nach und nach kommen die Teile für sein Teleskop zum Vorschein.

Nach zehn Minuten ist die Arbeit getan. Nun folgt für den 68-Jährigen das Vergnügen: Er will die Planeten und den Mond unter die Lupe nehmen. Diese Formulierung ist hier für einmal wörtlich gemeint. Der Hochdorfer kann mit seinem Teleskop nämlich bis zu hundertmal näher an die Gestirne «heranzoomen». Dafür hat er diverse Okulare für sein Instrument – welches mit allem Drum und Dran circa 4000 Franken kostet – gekauft. Steiner nimmt seine Brille von der Nase und blickt durch das Teleskop. Nach einigen Minuten schaut er zufrieden auf. «Die Krater und Berge des Mondes sind gut zu sehen.» Die Detailtreue und plastische Erscheinung des Erdtrabanten durch das Teleskop sei sehr faszinierend.

Trotzdem ist es ein Planet, der es dem Hobby-Astronomen besonders angetan hat. Auch deshalb, weil um den Jupiter gleich mehrere Monde ihre Kreise ziehen. Nach einer halben Stunde wechselt Steiner das Okular und schwenkt sein Teleskop östlich von «unserem» Mond weg. Mit blossem Auge ist der grösste Planet des Sonnensystems nur als heller Stern zu erkennen. Durch das Teleskop sind aber die typischen Streifen und auch drei der vier grössten und hellsten Monde deutlich zu sehen. «Einer der Monde, Kallisto, verbirgt sich gerade hinter dem Jupiter, weil er seine Position von der linken zur rechten Seite wechselt. In einer Stunde wird er wieder sichtbar sein», erklärt Steiner. Genau das fasziniere ihn so an dem Gasplaneten. «Ständig läuft etwas bei ihm.»

Der Mond lässt sich in dieser Nacht besonders gut beobachten.

Die Faszination an der Astronomie begleitet Edgar Steiner bereits seit knapp 50 Jahren. Vor 40 Jahren trat er der Astronomischen Gesellschaft Luzern, kurz AGL, (Text rechts) bei. Ein prägendes Ereignis für Steiner fand aber bereits zehn Jahre zuvor statt: «Während meiner Lehre zum Schreiner landeten die ersten Menschen auf dem Mond. An diesem Tag erlaubte uns der Chef, fernzusehen, anstatt zu arbeiten», erinnert sich Steiner. Von diesem Zeitpunkt an habe ihn das Thema Raumfahrt und Astronomie nicht mehr losgelassen. Neben viel Literatur, die er über das Thema las, absolvierte er schon bald einen Astronomie-Kurs bei der Klubschule. In der AGL war er während mehreren Jahren als Hilfsdemonstrator dafür zuständig, den Besuchern der Sternwarte die Bedienung der Instrumente näherzubringen und ihre Fragen zu beantworten. Daneben führte er immer wieder Schreinerarbeiten für den Verein aus. Besonders das Holzmodell eines Teleskops zu bauen, welches heute in der Sternwarte steht, war eine Herausforderung für Steiner. «Der Prototyp musste genau gleich gedreht und gekippt werden können wie das spätere Original, um zu testen, ob es in die Sternwarte passt.» Der Aufwand war dementsprechend hoch: Circa 80 Stunden arbeitete Steiner daran. Unentgeltlich.

Die Milchstrasse von einem Weltraumteleskop ausgesehen. Foto NASA

Heute ist Edgar Steiner nicht mehr so oft in der Sternwarte anzutreffen. Lieber geht er alleine auf seine Touren. Sein Hobby sei sehr beruhigend. «Ich bin gerne hier draussen und geniesse die Stille.» Auch die Dunkelheit möge er. «Man fühlt sich so klein unter diesem Himmelszelt, das beeindruckt mich.» Seine Frau sei am Anfang auch einige Male mitgekommen. «Sie hatte es meist schnell gesehen und begann rasch zu frieren.» Er könne jedoch auch einmal von 10 bis 2 Uhr draussen sein. «Langweilig wurde mir noch nie, die Zeit vergeht so schnell.» Sein Hobby sei aber definitiv nichts für Ungeduldige. «Man muss der Typ dazu sein.» Auch an diesem Abend zahlt sich seine Geduld aus: Um Jupiter kreist inzwischen der vierte Mond.

von Jonas Hess

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