Mehr Aufwand, weniger Ertrag

Seit einem Monat gilt in den Seetaler Kultur- und Freizeiteinrichtungen die Zertifikatspflicht. Davon betroffen sind unter anderem die Braui sowie die Sport- und Fitnesszentren in der Region. Was für Erfahrungen haben die Betriebe seit der Einführung gemacht? Der «Seetaler Bote» hat nachgefragt.

Für das Kulturzentrum Braui hat die 3G-Regel Vor- und Nachteile. Foto mst

Obwohl beim Urban Gym in Hochdorf jetzt eigentlich «die guten Monate» begonnen hätten, blieb es im Fitness von Marcel Scherer in den vergangenen Wochen ruhig: «47 Prozent der bestehenden Kunden können nicht mehr ins Training kommen», sagt der Fitness-Inhaber. Die Kundinnen und Kunden hätten zwar Verständnis für seine Situation, dennoch seien Frust und Enttäuschung bei den Zertifikatslosen gross. Immerhin: Eine «Handvoll Personen» fühlten sich durch die 3G-Regel jetzt sicherer.  

Die Zertifikate hinterlegt das Urban Gym direkt auf dem Badge der Mitglieder, damit diese weiterhin während 24 Stunden Zugang zum Fitness haben.

Scherer verstehe zwar, dass etwas gemacht werden müsse, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten – ganz nachvollziehen kann er die Zertifikatspflicht in den Fitnesscentern aber nicht: «Fitnesscenter waren nie als Hotspots bekannt und die Massnahmen wurden immer umgesetzt, damit ein sicheres Training möglich ist.» Aus wirtschaftlicher Sicht sei die 3G-Regel für das Gewerbe «eine absolute Katastrophe». Er befürchtet: «Die auslaufenden Abos werden wohl kaum wieder verlängert.» 

«Viel Mehraufwand»
Vor zwei Wochen startete im Sportzentrum Südi in Hochdorf die Saison mit Zertifikatspflicht. Die Auswirkungen auf die Besucherzahlen kann Betriebsleiter Marcel Wütschert noch nicht abschätzen. Die Zertifikatspflicht sei aber mit «sehr viel Mehraufwand und mit Unkosten verbunden». Die Zertifikate müssen schliesslich beim Eingang kontrolliert werden: Beim Trainingsbetrieb, dem öffentlichen Eislaufen und bei Schulen wird die Kontrolle intern durchgeführt, beim Spielbetrieb wird zusätzlich ein externer Sicherheitsdienst hinzugezogen.  

Die Besucherinnen und Besucher hätten geteilte Meinungen zum Zertifikat. Wütschert: «Wir haben sehr viele negative Rückmeldungen, aber auch positive bekommen.» Der Anfang sei schwer gewesen und habe viele Nerven gekostet, doch «die Besucher gewöhnen sich langsam daran und es wird einfacher». Er sieht das Ganze positiv: «Wenigstens dürfen wieder Besucherinnen und Besucher in die Halle. So kann der Betrieb fast ohne Einschränkungen durchgeführt werden.»

«Besser Zertifikatspflicht, als Schliessung»
Ähnlich sieht das Peter Huber, Leiter Sport, vom Sport- und Freizeitzen­trum Tellimatt in Aesch: «Besser eine Zertifikatspflicht, als die Schliessung des Zenters.» Auch hier seien die Besucherinnen und Besucher geteilter Meinung. Doch: «Im Grossen und Ganzen wurde die Zertifikatspflicht gut bis sehr gut aufgenommen.» 

Das Sportzentrum profitiert von einer Ausnahme bei der 3G-Regel: Die Beschränkung gilt gemäss BAG nicht für beständige Gruppen von maximal 30 Personen, die in abgetrennten Räumlichkeiten regelmässig zusammen trainieren oder proben. «Dies ist eine grosse Entlastung, da in der laufenden Wintersaison primär Fixplatzkunden die Plätze belegen», sagt Huber. Zurzeit sei das Buchungsvolumen «in etwa gleich gross», die tatsächlichen Auswirkungen liessen sich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt beurteilen.

Positive und negative Seiten
Für das Kulturzentrum Braui in Hochdorf hat die Zertifikatspflicht zwei Seiten. Zum einen konnten mit der 3G-Regel verschobene Events nachgeholt werden. «Die Menschen haben es sehr geschätzt wieder eine normale Atmosphäre im Kulturbereich zu erleben», sagt Geschäftsführer Hans-Peter Racheter. Zum anderen harze es aber bei der Nachfrage an neu organisierten Veranstaltungen. «Die Menschen sind immer noch skeptisch und haben Angst die Events zu besuchen.» Das findet der Geschäftsführer schade: «Es wäre schön, wenn die Künstler wieder mehr unterstützt würden. Die Kulturszene hat es nötig.» Nach wie vor müssen Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Nicht nur wegen den Zuschauern: teilweise verfügen  auch die Mitglieder von den auftretenden Gruppen über kein Zertifikat oder ausländische Künstler haben Probleme bei der Einreise. 

Für Firmenanlässe hat die Braui zurzeit nicht viele Anfragen. Was aber gut laufe, sei der «Hötte-Zauber auf dem Brauiplatz». Vom 6. November bis zum 29. Januar können Hütten für private Anlässe bis zu acht Personen gemietet werden. Da es sich dabei um Veranstaltungen unter 30 Personen handelt, braucht es dafür kein Zertifikat. Eine Normalisierung der Situation ist für Racheter noch nicht absehbar – insbesondere nach dem Ende der Gratis-Tests. «Wir hätten es begrüsst, wenn es nach wie vor möglich gewesen wäre, sich kostenlos testen zu lassen», sagt der Geschäftsführer.  «Ich nehme an, dass die Hürde an eine Veranstaltung zu gehen, jetzt noch grösser wird.»

Weder bei den Sport- noch den Kulturveranstaltern: Von Normalität kann bei den Betrieben, die von der 3G-Regel betroffen sind, nicht gesprochen werden. Racheter: «Wir rechnen damit, dass sich die Lage bei den Events erst wieder im Frühling be­ruhigt.»

von Milena Stadelmann

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