«Ein Glücksfall für die Schule Aesch»

Franco Hodel unterrichtet seit 40 Jahren die 5. und 6. Klasse an der Schule Aesch. In dieser Zeit mauserte er sich zu einem beliebten und geschätzten Lehrer. Hodel fordert seine Schüler nicht nur mit Kopfarbeit, sondern auch musikalisch. Und manchmal hat er sogar Mitleid mit seinen Schützlingen.

Eigentlich wollte Franco Hodel nur ein Jahr bleiben. Doch der aus Unter­ägeri stammende Lehrer unterrichtet bis heute in Aesch. Diesen November feierte der 5.- und 6.-Klass-Lehrer sein 40. Arbeitsjubiläum an der Schule Aesch. Beim Gespräch in seinem Schulzimmer kann der 62-Jährige selbst nicht ganz glauben, dass schon so viele Jahre vergangen sind, seit er sich als junger Mann in den Lehrerberuf stürzte. «Ich wurde regelrecht ins kalte Wasser geworfen», erinnert er sich. Damals, 1981, habe man in Aesch händeringend nach einer neuen Lehrperson gesucht. Franco Hodel gehörte zu den wenigen Semi-Abgängern, welche noch keine Stelle hatten. Beim Vorstellungsgespräch mit dem damaligen Schulpflegepräsidenten Hans Oehen wurde nicht lange gefackelt. «Normalerweise berät das Gremium danach, das wurde bei mir kurzerhand weggelassen, ich hatte die Stelle sofort», so Hodel. Auch Hans Oehen erinnert sich: «Der Vorgänger von Franco Hodel war bereits gegangen, der Stellenmarkt trocken, uns blieb gar nichts anderes übrig, als sich für ihn zu entscheiden.» Doch wie sich herausstellen sollte, war die Entscheidung richtig. Oehen ist heute noch froh, dass er dem damals jungen Aspiranten eine Chance gab, sich zu beweisen. Eigentlich sei Hodel nur für ein oder zwei Jahre vorgesehen gewesen. «Uns wurde jedoch immer klarer, zu was für einem guten Lehrer er geworden ist. Er ist ein Glücksfall für die Schule Aesch.» Franco Hodel äus­sert sich zu seiner Entwicklung in den ersten Jahren so: «Ich habe als unsicherer und scheuer Lehrer angefangen und durch die vielen positiven Rückmeldungen von den Kindern und Eltern den Beruf lieben gelernt. Ich wollte nicht mehr weg.»

«Total glücklich»
Dass Franco Hodel überhaupt in den Lehrerberuf eingestiegen ist, hat viel mit seinen Erfahrungen als Schüler zu tun. Sein damaliger Klassenlehrer in der 5. und 6. Klasse war ein Vorbild für ihn. Jung, dynamisch, kollegial, kameradschaftlich, witzig, locker. Mit diesen Adjektiven beschreibt Hodel ihn. Im Alltag habe das bedeutet, dass er mit schwierigen Schülern gut umgehen konnte und viel Geduld aufbrachte.

Als Franco Hodel selber zum ersten Mal vor einer Klasse stand, nahm er sich die Eigenschaften seines ehemaligen Mentors zu Herzen. Doch in den ersten Jahren sei es vor allem darum gegangen, ob er es schafft, die Schülerinnen und Schüler alle in die Sek zu bringen, wie dies sein Vorgänger in Aesch fertiggebracht hatte. Um die Sekundarschule besuchen zu können, mussten die Schüler der 1980er-Jahre die heute nicht mehr existierende Sekprüfung absolvieren. «Im Dorf wurde ich immer wieder gefragt, wie viele Schüler ich wohl durchbringen werde», erinnert sich der 62-Jährige. Die erste Zeit sei deshalb sehr intensiv gewesen und er habe mit den Kindern «richtig gebüffelt». Gereicht habe es trotzdem nicht für alle. Er habe danach bei sich den Fehler gesucht und sich gefragt, ob er den Stoff noch anders oder besser hätte erklären müssen. Heute weiss Hodel: Es lag nicht an ihm. «In der Klasse war das Gefälle zwischen sehr guten und weniger guten Schülern einfach zu gross.» Trotz diesem herausfordernden Start fand Franco Hodel schnell Gefallen an seinem Job. Die Abwechslung aus Turnen, Deutsch und musischen Fächern machte ihn «total glücklich», wie er sagt. Besonders seine Affinität zur Musik, vor allem zur Popmusik, gab er den Kindern immer wieder weiter. So veranstaltete Hodel, der unter anderem Klavier und Gitarre spielt, Konzerte mit den Schülern. «Wir füllten manchmal ganze Turnhallen», erzählt er nicht ohne Stolz. Die Begeisterung der Kinder aber auch Eltern seien danach stets sehr positiv gewesen. Das habe ihm als Lehrperson sehr viel Selbstvertrauen gegeben. «Nach einem Jahr war meine Unsicherheit wie weggeblasen.»

Hodel war aber auch fasziniert vom Gemeinschaftsgefühl, welches in der kleinen Aescher Schule herrschte. Man habe zusammen Projekte verwirklicht, Geld gesammelt und Schul- sowie Skilager auf die Beine gestellt. Das Team, welches aus fünf Lehrpersonen bestand, die drei Klassen unterrichteten, habe einen guten Zusammenhalt gehabt. Das sei auch heute noch so, sagt Hodel. Auch wenn es inzwischen einige Personalwechsel gab. Bedauerlich findet Hodel, dass die erwähnten Skilager heute nicht mehr stattfinden, weil nicht mehr genügend Anmeldungen zusammenkommen. «Aber ich will nicht Vergangenem nachtrauern.»

Wenn der Lehrer zum Coach wird
Franco Hodel mag offen sein für Veränderungen, das heisst aber nicht, dass er alles gut findet. Besonders der Leistungsdruck beschäftigt ihn. «Heute müssen jüngere Kinder mehr leisten als ältere früher.» Als Lehrperson werde man immer mehr zu einem Filter, damit die Kinder nicht überfordert seien mit den Stoffmengen und den verlangten Kompetenzen. Ausserdem kommt dazu, dass heutige Kinder viel mehr «Ablenkungen» haben. Aus seiner Sicht würde beispielsweise eine Fremdsprache in der Primarschule reichen. Der Stundenplan der Kinder sei sowieso stark ausgelastet. «Manchmal spüre ich, dass sie eigentlich keinen Stoff mehr in den Kopf bringen.» Früher habe man in einer solchen Situation eine Lektion Sport oder Musik eingebaut, das sei heute nicht mehr möglich. «Manchmal tun mir die Kinder fast ein bisschen leid.» Doch die Schüler hätten sich auch an die anspruchsvolleren Lehrpläne gewöhnt. «Sie kommen fast immer top vorbereitet in den Unterricht, das war früher weniger oft der Fall.»

Auch der Unterrichtsstil hat sich gemäss Franco Hodel verändert. Frontalunterricht sei zwar nach wie vor wichtig, aber nicht mehr das alleinige Mittel. Die Schüler würden oft selbstständig und individuell je nach Niveau arbeiten. Der Lehrer fungiere vermehrt als Coach. «Die Schüler müssen lernen, selbständig an die Lehrperson zu gelangen und Fragen stellen.»

Trotz den vielen Anforderungen an die Schüler, seien die Kinder von heute nicht weniger kindlich als früher. Im Gegenteil, findet Hodel. «Sie sind lustig, herzig und spontan.» Manchmal passiere es ihnen auch, dass sie ihm plötzlich Du sagen würden. Für Hodel kein Problem. «Ich fühle mich dann wieder wie der Franco von 1981, das Kind im Manne ist eben doch ein wenig geblieben», sagt er lachend.

Grosse Veränderung nach Hodel
Für Franco Hodel ist klar, dass er bis zu seiner Pensionierung in wenigen Jahren an der Schule Aesch bleiben möchte. Eine grosse Veränderung wird er wahrscheinlich aber nicht mehr komplett miterleben: Der Einzug ins neue Schulhaus, welches 2024 fertiggestellt werden soll (der SB berichtete). Seine Wünsche für den Unterricht der Zukunft darf er aber trotzdem kundtun: «am liebsten elektrische Wandtafeln, Laptops an den Seiten, grössere Schulzimmer und Gruppenräume.» Auch wenn Hodel seinen letzten Arbeitstag wahrscheinlich noch im alten Schulzimmer bestreiten wird, ist er zuversichtlich: «Als Aushilfe werde ich bestimmt einmal im neuen Schulhaus unterrichten.»

von Jonas Hess

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