Mittelalter sichtbar gemacht

Während Jahrzehnten blieben zwei Gebäude des Heilpädagogischen Zentrums ungenutzt. Nun sind die denkmalgeschützten Bauten aus dem Mittelalter saniert und bezugsbereit.

Nach rund vier Jahren Planung und weiteren vier Jahren Restaurierungsarbeiten wird das aus dem späten 12. Jahrhundert stammende Tor- und Pfarrhaus nun «mit Leben gefüllt», wie es Pia Vogler, Rektorin des Heilpädagogischen Zentrums HPZ, sagt. Während der Umbauphase stand der Erhalt originaler Denkmalsubstanz als bedeutsame und nicht erneuerbare Ressource im Fokus. In enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege wurden so praxistaugliche Räume mit ganz besonderer Atmosphäre geschaffen. Dazu der zuständige Denkmalpfleger Benno Vogler: «Das Tor- und Pfarrhaus standen immer etwas im Schatten der Bauten auf dem Gelände der Kommende.» Der Denkmalpfleger zeigt sich mit dem Resultat sehr zufrieden. «Wir konnten extrem viel Substanz erhalten sowie sichtbar machen. Und vor allem ist es gelungen, die Gebäude einer Nutzung zuzuführen.» Musste der Denkmalpfleger viele Kompromisse eingehen, damit die Räumlichkeiten sich auch in der Praxis bewähren und somit ästhetische Kriterien hinten anstellen? «Diese muss man immer eingehen, sonst hätten wir ein Museum.»

«Gute Zusammenarbeit» zwischen Institution und Denkmalschutz
Der zuständige Regierungsrat für die kantonalen Hochbauten, Reto Wyss, sagt zur Restaurierung: «Es ist eine Freude, dass die historisch und kulturell bedeutsamen Gebäude von Kindern und Jugendlichen sowie weiteren Mitarbeitenden des Heilpädagogischen Zentrums sinnvoll genutzt werden können.» Das zeige exemplarisch auf, was durch eine gute Zusammenarbeit zwischen der Institution und dem Denkmalschutz alles möglich werde.

«Für die Institution sind die historischen Gebäude ein Gewinn», so Pia Vogler. «Die neuen Räume sind eine hervorragende Ergänzung zu den bereits bestehenden Räumlichkeiten. Wir sind erfreut über die ausgesprochen schöne Gestaltung der Innenräume, die ideal auf die Bedürfnisse unserer Institution abgestimmt sind.» So wurde, wo immer mit dem Denkmalschutz vereinbar, barrierefrei und somit rollstuhlgängig – beispielsweise der Lift – umgebaut. Gemäss Vogler kommen die neuen Räumlichkeiten auch gut an bei den Lernenden. Ein Mehrwert seien nun auch die kürzeren Wege.

Überraschung hinter dem Ofen
Im Torhaus findet künftig schulergänzende Betreuung für die sprachbehinderten Lernenden statt. Überdies bietet das Torhaus auf zwei Stockwerken Platz für Mittagstische, wo die Schülerinnen und Schüler gemeinsam essen können. Im Pfarrhaus befinden sich auf drei Stockwerken Büros und ein grosses Sitzungszimmer des Heilpädagogischen Zentrums. Wo aus baulichen und betrieblichen Erfordernissen die Möglichkeit bestand, wurde die historische Substanz ins neue Architekturkonzept miteinbezogen und sichtbar gemacht. Dies zeigt sich insbesondere im Torhaus. Hier lassen sich etwa alte Riegel- und Bohlenwände sowie ein Kachelofen von 1837 wiederfinden. Dieser stellte sich bei den Sanierungsarbeiten als ein Brotbackofen heraus. Um die ursprüngliche Verwendung sichtbar zu machen, wurde dafür in der Dusche eine Glaswand eingebaut.

Im alten Pfarrhaus wurden die noch vorhandenen historischen Riemen- und Parkettböden sowie die Wand- und Deckentäfer sorgfältig restauriert.

Nach einer rund vierjährigen Planungs- und Bauphase werden die Gebäude, die einst unter Pilzbefall und Statikproblemen litten, nun wieder genutzt und belebt. Die Baukosten fielen mit 3,88 Millionen Franken statt 3,96 gar etwas tiefer aus als budgetiert.

Von der Kommende zur Schule

Die ehemalige Johanniterkommende ist die einzige erhaltene Ordensburg des Kantons Luzern mit einem wesentlichen mittelalterlichen Bestand – und dazu die älteste Niederlassung der Johanniter in der Schweiz. Das Tor- und Pfarrhaus werden der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zugeordnet. Seit 1963 stehen sie unter kantonalem und seit 1974 unter eidgenössischem Schutz. Der Anlage kommt im Äusseren wie auch im Inneren zweifelsohne eine nationale Bedeutung zu. Jüngste bauarchäologische Untersuchungen anlässlich der nun abgeschlossenen Umnutzung haben den Nachweis erbracht, dass nicht nur massiv gemauerte Teile des Gebäudes, sondern auch wesentliche Teile des Innenausbaus in die Gründungszeit der Kommende zurückreichen: So wurde etwa die Balkenlage über dem Keller des Torhauses um das Jahr 1196 eingebaut. Damit findet sich im Tor- und Pfarrhaus die älteste, integral erhaltene profane Bausubstanz des Kantons Luzern, die sogar älter als das Schloss Heidegg ist.

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