Ein Mini-Wohnwagen für das E-Bike

Mit dem E-Bike in die Campingferien fahren. Der Mini-Wohnwagen B-Turtle machts möglich. Die Familie Limacher aus Hohenrain betreibt die erste Verleihstation von Fahrrad-Camping-Anhängern in der Zentralschweiz.

Mit wenigen Handgriffen ist der Zeltanhäger angekoppelt. Bei der Verleihstation in Hohenrain folgt eine kurze Instruktion durch Frowin Limacher – und schon kann die Reise für Pascal Bucher und seine 9-jährige Tochter Anna aus Hagendorn losgehen. Von Hohenrain fahren die zwei Richtung Sulz. Auf die anstrengende Strecke folgt zur Belohnung die Abfahrt nach Gelfingen. Dann geht es dem Radweg entlang bis zum Hallwilersee. 

Beim Campingplatz in Mosen angekommen, schlagen Pascal und Anna Bucher ihren B-Turtle auf. Stützen ausfahren, Liegeplattform und Zelt aufblasen, Aussenplane fixieren: Der Fahrrad-Anhänger ist in eine Schlafmöglichkeit umfunktioniert. «Der Auf- und Abbau dauert nicht viel länger als bei einem kleineren Zelt», sagt Bucher. Das erste Mal brauche man etwa zwanzig Minuten. «Wer nach der Velofahrt noch genug Kraft zum Pumpen und etwas Übung hat, schafft es in zehn.» Der Aufbau des Mini-Wohnwagens habe das Interesse der übrigen Campingbesucher geweckt, erzählt Anna: «Viele haben zuerst komisch, dann interessiert geschaut und wollten mehr wissen oder sogar reinschauen.» Den Mini-Wohnwagen haben Pascal und Anna Bucher bei der Mietstation B-Turtle-Luzern in Hohenrain abgeholt. Frowin Limacher betreibt diese seit dem Frühling mit seiner Familie. Es ist die erste Verleihstation in der Zentralschweiz. Damit werden die B-Turtles inzwischen an sechs Standorten in der Schweiz vermietet. «Das Reiseformat ist optimal für Menschen, denen nachhaltiges Reisen wichtig ist, die aber auf einen gewissen Komfort nicht verzichten wollen», sagt der zweifache Familienvater. 

In dem umgebauten Radanhänger können zwei Personen übernachten. Beim Eingang ist ein Vorzelt mit Stehhöhe integriert. «Der Clou ist, dass man nicht auf dem Boden schläft, sondern auf einer Plattform mit einer bequemen Matratze», sagt Limacher.

«Feuer und Flamme» 
Die Radanhänger sind eine Erfindung aus Österreich – der Herkunft von Frowin Limachers Frau Brigitte. «Somit bringt der B-Turtle ein Stück Heimat zurück ins Haus», sagt er. Der Schulsozialarbeiter und passionierte Velofahrer hat die Konstruktion erstmals auf der Wohnwagenmesse in Bern entdeckt. Er war sofort «Feuer und Flamme». Statt nur einen Anhänger zu kaufen, beschloss die Familie in Kooperation mit «Ebikecamping» eine Mietstation aufzubauen. «So können auch andere Natur- und Veloliebhaber davon profitieren», sagt Limacher. Es brauche Begeisterung und viel Idealismus, um ein solches Projekt zu starten. «Kommerziell lohnt sich die Leihsta­tion nicht.» 

Die Mietpreise für ein B-Turtle sind nach Mietdauer gestaffelt und betragen zwischen 26 und 55 Franken pro Tag. Neben den Radanhängern vermietet die Familie auch E-Bikes und weiteres Zubehör. «Ziel wäre, in Zusammenarbeit mit Agrotourismusbetrieben oder Gasthöfen Pauschalangebote anzubieten», sagt Limacher. Es werde aber noch nach Betrieben gesucht. 

Übernachten in Mosen und Sempach
Pascal Bucher und Tochter Anna haben den B-Turtle für einen dreitägigen Ausflug gemietet und damit auf den Campingplätzen Mosen und Sempach übernachtet. «Der grosse Innenraum des B-Turtle hat uns überrascht und dadurch herrscht auch ein angenehmes Raumklima», sagt Pascal Bucher. Durch die Liegefläche auf Kniehöhe, dem Vorraum zum Umziehen und die Gepäckschublade sei alles angenehm und gut organisiert. «Die erste Nacht war aber etwas unruhig und hart, da ich meine Unterlage vergessen hatte.» Normalerweise wäre diese bei der Miete inbegriffen. Bucher hat den 29 Kilogramm schweren Radanhänger mit dem normalen Velo gezogen. «Die Fahrt ohne Motor war in der Fläche problemlos, aber die Steigungen waren zäh», sagt er. «Vor allem bei Aufstiegen ist ein E-Bike die bessere Wahl.»  

Glücklich und stolz kehrt das Vater-Tochter-Duo nach Hohenrain zur Mietstation zurück. Ob sich Pascal Bucher eine längere Reise mit dem B-Turtle vorstellen könnte, will Limacher von ihm wissen. «Eine längere Reise mit dem B-Turtle kann sehr viel Spass machen», sagt Pascal Bucher. «Wenn man hin und wieder mehr als eine Nacht auf einem Campingplatz bleibt, ist es noch entspannender.» pd/mst

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