Ein Jahrhundert mit dem runden Leder

FC Hochdorf Der Fussball-club feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Ein Blick in die bewegte Vereinsgeschichte und ein Augenschein in die lebendige Gegenwart.

FC Hochdorf bei der Arena-Eröffnung 1960

Anno 1921, das Jahr ist noch jung, als Emil Kreuzer, kaufmännischer Angestellter der damaligen Maschinenfabrik Villiger, ein Inserat im «Hochdorfer Anzeiger» schaltet. Er sucht Gleichgesinnte, die seine Leidenschaft für den Fussballsport teilen. Am 12. März 1921 versammeln sich 19 junge Männer im Hotel Post zur Gründungsversammlung des Fussballclubs Hochdorf.

Schon im ersten Vereinsjahr entstehen zwei Mannschaften, die auf dem Sportplatz Feldgrau, westlich der heutigen Industriestrasse, ihre Spiele bestreiten. Bereits damals feuert ein treues Heimpublikum die Mannen an. Der Club hat allerdings zu kämpfen. Nicht nur um sein Spielfeld, sondern auch um gesellschaftliche Anerkennung. Diese Bemühungen dauern bis Ende der 1930er-Jahre, wo sie jäh unterbrochen werden: In Europa bricht der Krieg aus, an eine Meisterschaft ist nicht mehr zu denken.

Ab 1971 etabliert sich der Club auch sportlich
Nach dem Krieg herrscht Aufbruchstimmung beim FC Hochdorf. Im Anschluss an den sofortigen Wiederaufbau zweier Mannschaften wird 1948 eine Juniorenabteilung gegründet – die Grundlage für den langjährigen Erfolg des Clubs. Auch sportlich geht es aufwärts: 1951 steigt die erste Mannschaft in die 3. Liga auf. Ein Jahr später organisiert der FCH sein erstes Turnier, dem viele weitere folgen werden. 1960 gelingt der Aufstieg in die 2. Liga, und im gleichen Jahr wird das erste Spielfeld auf der Arena in Betrieb genommen.

In den Folgejahren erlebt der Club mit diversen Auf- und Abstiegen eine turbulente Zeit. Zumindest von der untersten Spielklasse verabschiedet man sich aber 1971 definitiv, als die erste Mannschaft in der 3. Liga Fuss fasst. Zu diesem Zeitpunkt zählt der Verein bereits 11 Teams.

Aufstieg zur Seetaler Sportgrösse
Zwischen 1975 und 1990 entwickelt sich der FC Hochdorf vom geduldeten Dorfclub zum grössten Sportverein der Region. Zu Beginn dieser Periode gelingt der ersten Mannschaft der Aufstieg in die 2. Liga. 1982 werden die neuen Sportanlagen Arena eröffnet, der Allwetterplatz folgt sieben Jahre später. Diverse Juniorenmannschaften des FCH spielen zu dieser Zeit konstant in der 1. Stärkeklasse und gewinnen mehrere Regionalmeistertitel des Innerschweizerischen Fussballverbands (IFV).

1995 gelingt der erstmalige Aufstieg in die 1. Liga – und auch neben dem Platz läuft es rund. Im Herbst gleichen Jahres wird der Bau eines neuen Spielfeldes bei der Badi Baldegg in Angriff genommen. 2001 steigt die Party zum 80-jährigen Vereinsjubiläum, gleichzeitig werden aber kritische Stimmen laut: Die vorhandene Infrastruktur kann mit dem stark gewachsenen Verein längst nicht mehr mithalten. Abhilfe ist 2008 in Sicht, als die Hochdorfer Stimmbevölkerung einen Kunstrasen auf der alten Arena und die Erweiterung der Garderoben bewilligt. Harte Arbeit des Vereins, grosszügige Sponsoren und die Unterstützung der Gemeinde machen es möglich, dass der FC Hochdorf am 26. Juni 2010 die Einweihung eines modernen Kunstrasenplatzes und erweiterter Garderoben feiern kann. Die gleichen Voraussetzungen braucht es fünf Jahre später für die Realisierung des neuen Clublokals, dem «Dachblitz 11er».

Zurück in die Zukunft
Die Retrospektive auf 100 Jahre Vereinsgeschichte ist mindestens so beeindruckend wie ein Blick auf die aktuellen Zahlen: «Wir zählen heute rund 700 Mitglieder und über 30 Mannschaften – mehr als die Hälfte davon sind Junio-ren», sagt Co-Präsidentin Susanna Werder nicht ohne Stolz. Während es früher teilweise Wartelisten für Junio-ren gab, kann heute jeder Fussballfreund beim FC Hochdorf sein Hobby ausüben. Dabei geht es längst nicht bei allen um Talent und Technik. «Beim FCH ist die Kameradschaft wichtig, von den Talentfreien bis zur ersten Mannschaft», sagt der zweite Co-Präsident, Fabian von Moos. «Wir sind ein Verein für alle, das stand immer im Vordergrund.»

Der Erfolg des Hochdorfer Fussballclubs gründet auf der Arbeit unzähliger Freiwilliger. Nur so sei der Betrieb überhaupt möglich, sagt Werder. «Viele Helferinnen und Helfer sind seit Jahr und Tag stark mit dem Verein verbunden und wollen heute etwas zurückgeben», so die Co-Präsidentin. Das sieht auch von Moos so: «Wir profitieren von einer riesigen Vereinstreue. Viele haben sich seit Jahrzehnten voll und ganz dem FC verschrieben.»

Ziel für die Zukunft: als Nummer 1 etablieren
Nach den Zielen für die Zukunft gefragt, ist sich das Co-Präsidium einig: Der FC Hochdorf soll sich als klare Nummer 1 im Seetal etablieren. «Wir wollen mit einheimischen Spielern sportliche Erfolge feiern können», sagt Werder. Dabei sei es wichtig, dass der Verein weiterhin auf eine solide finanzielle und strukturelle Basis bauen könne. Sportliche Erfolge mit vornehmlich einheimischen Spielern, ist das kein Widerspruch? «Nein», findet von Moos. «Wir sind ein regionaler Ausbildungsverein mit grossem Einzugsgebiet.» Ziel sei es, jeden dort spielen zu lassen, wo er sich am besten entwickeln könne.

Mannschaftssport als Lebensschule
«Es geht auch darum, die Kameradschaft zu fördern, so kommt später vieles zurück.» Werder pflichtet ihm bei: «Eine Lehrerin meiner Söhne sagte mir einst, man merke jedem Kind an, wenn es Mannschaftssport betreibe.» Gerade im FC kämen viele Kulturen zusammen, was nicht immer einfach sei – genau wie immer anspruchsvollere Eltern, die das Training ihrer Kinder am Spielfeldrand intensiv begleiten. «Das hat sich in den letzten Jahren am stärksten verändert», findet das Co-Präsidium. Nach 100 Jahren voller Hochs und Tiefs sei der FC Hochdorf aber bestens gerüstet und breit genug aufgestellt, um sämtliche Herausforderungen in Angriff zu nehmen.

Seit seiner Gründung hat sich der FC Hochdorf vom Randsportverein zur festen Clubgrösse entwickelt. Und wie Co-Präsident von Moos bei jedem Besuch auf der Arena erfreut feststellt, dient das Training längst nicht mehr nur dem Fussball: «Es ist für Gross und Klein Lebensschule, Integrationsplattform und Türöffner zu lebenslangen Freundschaften.» 

«Die Absage fiel uns extrem schwer»

Jubiläumsfest Anlässlich des runden Jubiläums war auf der Arena für Anfang Juli ein mehrtägiges Volksfest geplant. Joe Kündig wäre dessen OK-Präsident gewesen. War, wäre, gewesen: Nach einer eingehenden Situationsanalyse hat sich das 20-köpfige OK entschieden, die Feier abzusagen.

Joe Kündig, wieso dieser Entscheid?
£Die Absage fiel uns extrem schwer. Aber wir tragen eine grosse Verantwortung gegenüber dem Verein. So wie sich die aktuelle Lage präsentiert, können wir nicht Aufträge für einen Anlass mit einem sechsstelligen Budget auslösen, das finanzielle Risiko ist zu gross.

Was war geplant?
Eine Feier, die der 100-jährigen Geschichte dieses grossartigen Vereins gerecht geworden wäre! Das Konzept beinhaltet einen Unterhaltungsabend am Freitag sowie ein Volksfest mit einem «Fussball Warrior Parcours», Fun Park, Festbetrieb und Livemusik am Samstag.

Wie wird das Jubiläum nun -gefeiert?
Das weitere Vorgehen mit einer allfälligen Verschiebung oder Alternativen werden wir erst definieren, wenn sich die epidemiologische Lage nachhaltig verbessert hat. 

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