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Kanton | Kultur

Facettenreicher geht fast nicht

Die Konzertgala «Luzern singt und klingt» vereinte am letzten Sonntag 220 Mitwirkende aus dem ganzen Kanton Luzern auf der Bühne des KKLs. Dem Publikum wurde ein abwechslungsreiches Programm auf höchstem Niveau geboten.

Louis Fedier

Von einer «Visitenkarte für den Männerchorgesang» sprach Moderatorin Mirjam Breu bei ihrer Begrüssung zu diesem speziellen Konzertabend, nachdem dieser vom etwa 170-köpfigen Gesamtchor – bestehend aus dem Luzerner Chor sowie den Männerchören von Sursee, Hitzkirch und Ruswil – eröffnet worden war. «Übern See» von Lorenz Maierhofer hatte da bereits ein erstes Mal gezeigt, welch beeindruckendes Chorvolumen vorhanden ist.

Fribourg, Wien, Neuseeland
Als erste instrumentale Gastformation des Abends zündete das Quartett Claudia Muff mit «Neue Töne in alter Alpenwelt» ein musikalisches Feuerwerk. Archaische quietschende und «knorzende» Töne begegneten darin beschwingten Ländlermelodien, die wiederum nahtlos in andalusische Flamencoklänge übergingen. Im darauffolgenden Schweizer Volksliedmedley brachten das Quartett und der Gesamtchor das eidgenössische Liedgut zum Klingen – am inbrünstigsten wohl in «Le vieux chalet» –, was hie und da zu sichtbaren Schunkelbewegungen im Publikum führte.

Die jungen Musikerinnen und Musiker von «Four Forest Strings» fügten dem Abend sodann eine gänzlich neue Facette hinzu. Mit der jugendlich-spritzig vorgetragenen «Kleinen Nachtmusik» von Wolfgang Amadeus Mozart entführten sie die Zuhörenden gedanklich direkt in einen Wiener Salon. Nach dem ruhig-andächtigen «Oblivion» von Astor Piazzolla zeigte das Streichensemble in Carl Jenkins’ vorwärtsdrängendem «Palladio» seine rhythmische Akkuratesse und dynamische Flexibilität.

Die nächsten zwei Stücke trugen der Gesamtchor und «Four Forest Strings» gemeinsam vor. Während «Rütlilied/Schweizer Knabe» aus der Feder von Franz Josef Greith die heile Schweiz aus alter Zeit beschwor, sorgte das neuseeländische «Kia Hora Te Marino» von Christopher Tin für einen exotischen Höhepunkt des Konzerts. Das gelungene Miteinander von geballter Männerchorkraft und sanften Streichern beschloss die erste Konzerthälfte.

Groove und Brass
Mit einer A-Capella-Mundartversion des Welthits «The Rose» aus dem Jahr 1979 setzte der Gesamtchor den musikalischen Reigen fort und bewies, dass man auch mit fast 200 Menschen noch stabil piano singen kann. Beim groovigen Polo-Hofer-Arrangement «Wenn mys letschte Stündli schlat» wurde der Gesamtchor wieder vom Quartett Claudia Muff unterstützt und genoss den Ausflug in die Mundartrock-Gefilde sicht- und hörbar.

Bei einer Konzertgala, welche die musikalische Vielfalt des Kantons Luzern abbildet, durfte natürlich auch das Entlebuch nicht fehlen. Die Brass Band Kirchenmusik Flühli (BBKMF) machte dem «klingenden Tal» denn auch alle Ehre. Nach dem fanfaresken Aufmarsch mit «When Thunder Calls» von Paul Lovat-Cooper schlugen die Musikerinnen und Musiker in «Lux» von Roger Derongé wohlig-warme Brass-Töne an. Die ganze Bandbreite ihres Könnens zeigte die Formation schliesslich in «Valaisia Variants» von Tom Davoren. Lyrische Momente und brillante Soli wechselten sich hier ab mit rasanten Tempoverschärfungen und strahlenden Forte-Stellen.

Der geerdete Brass-Sound der BBKMF traf in «We Are The Champions» und «Let All Men Sing» auf den Gesamtchor. Die beiden letzten Stücke des offiziellen Konzertprogramms wurden nochmals mit grösster Sanges- und Spielfreude vorgetragen, wobei die Balance zwischen Bläsern und Sängern stets gewahrt blieb.

Für die Zugabe «Lueget, vo Bärgen und Tal» versammelten sich alle Mitwirkenden auf der Bühne und sorgten für den krönenden Abschluss eines gelungenen Konzertabends. Das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten KKL dankte es mit Standing Ovations und langanhaltendem Applaus.


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