Reges Interesse an Mobilität
Seit September 2025 erarbeiten die Idee Seetal zusammen mit dem Kanton Luzern und unterstützt durch die Metron Verkehrsplanung AG aus Brugg ein Gesamtmobilitätskonzept für das Seetal. Dabei werden alle Mobilitätsformen, vom Fuss- und Veloverkehr über den motorisierten Individualverkehr bis zum öffentlichen Verkehr gesamtheitlich betrachtet. Dies schreibt die Idee Seetal in einer Mitteilung. Wichtig sei, so Idee Seetal, «dass die Mobilität über die Grenzen unserer Regionen hinaus bis in unsere Luzerner und Aargauer Nachbarregionen gedacht wird». Als Resultat sollen konkrete, umsetzbare Massnahmen evaluiert, verankert und implementiert werden.
Um die Befindlichkeit sowie Bedürfnisse und Anregungen seitens der Bevölkerung des Seetals zu erfahren und zu verstehen, hat die Idee Seetal von Januar bis März eine gross angelegte Online-Umfrage durchgeführt. Neben Fragen zur Verkehrsmittelwahl interessierte auch das Stimmungsbild zur aktuellen Verkehrssituation sowie persönliche Einschätzungen zu potenziellen Verkehrsmassnahmen. Die Teilnehmenden konnten ausserdem wichtige Zielorte sowie fehlende oder mangelhafte Verbindungen verorten. Insgesamt haben über 1700 Personen an der Umfrage teilgenommen. Die Anzahl an Teilnehmenden sowie die Resultate zeigen, dass ein reges Interesse an der Mobilität im und um das Seetal besteht.
An der Umfrage haben sich alle Altersgruppen beteiligt, am stärksten die 30- bis 65-Jährigen. Frauen und Männer stellen je ziemlich genau die Hälfte der Teilnehmenden, welche auch geografisch die Region und die Gemeinden entsprechend deren Grösse repräsentieren. Doch etwas überraschend zeigt sich, dass ein grosser Teil den Arbeitsort im Seetal selbst angibt, gefolgt von der Region Sursee-Mittelland respektive Rontal/Zug. Der überwiegende Teil der Befragten pendelt mit dem Auto, positiv stimmt aber auch die relativ hohe Anzahl von Personen, welche schon heute zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit fahren. Das Auto wird gewählt, weil es nach wie vor die schnellsten Reisezeiten ermöglicht, weil öV-Verbindungen fehlen oder weil die Sicherheit beim Velofahren nicht gewährleistet ist.
Auto dominiert
Die Ergebnisse zeigen, wenig überraschend, dass das Auto im Luzerner Seetal das dominierende Verkehrsmittel ist. Fehlende Alternativen beeinflussen dabei die Verkehrsmittelwahl wesentlich. Aus den zahlreichen Rückmeldungen kann abgeleitet werden, dass attraktivere Angebote im öffentlichen Verkehr sowie eine sichere Veloinfrastruktur das grösste Potenzial für eine Verlagerung des Verkehrs aufweisen.
Diese Dominanz stellt denn auch die Ursache für die hohe Verkehrsbelastung an verschiedenen neuralgischen Stellen dar, was schlussendlich zu einer mangelhaften Aufenthaltsqualität in Dorfzentren des Seetals führt. Das Strassennetz im Seetal wird als unzureichend für die bestehende Verkehrsbelastung wahrgenommen und die Aufenthaltsqualität der Strassenräume, insbesondere in den Zentren und Ortskernen, wird als tief bewertet. Eine Minimierung des Durchgangsverkehrs auf den Ortsdurchfahrten (Hauptstrassen) und eine Umfahrung zur Entlastung der Dorfzentren werden als mögliche Massnahmen seitens der Bevölkerung hoch priorisiert.
ÖV-Umsteigeeffekt nur mit signifikantem Ausbau möglich
Die öV-Erschliessung innerhalb des Seetals sowie die öV-Verbindung an die Nachbarregionen werden mehrheitlich als unzureichend bewertet, wobei primär auf der Ost-West-Achse nach Sursee, Muri und Sins als auch auf der Ostseite des Hallwilersees über die Kantonsgrenze hinaus Verbindungen fehlen. Neue öV-Linien und höhere Taktdichten sind für viele Umfrageteilnehmende eine Voraussetzung, um auf das Auto zu verzichten. Massnahmen zur Verbesserung des öV sowohl innerhalb der Region als auch über die Region hinaus werden hoch priorisiert.
Velo hat Potenzial, aber ...
Die Veloinfrastruktur im Seetal wird mehrheitlich als unzureichend bewertet. Insbesondere die Strecke zwischen Hitzkirch und Hochdorf ist für den Veloverkehr mangelhaft beziehungsweise es fehlt eine sichere und direkte Veloverbindung. Neue attraktive Velowege und eine bessere Veloinfrastruktur mit erhöhter Verkehrssicherheit sind für zahlreiche Umfrageteilnehmende eine Voraussetzung, um auf das Auto innerhalb des Seetals zu verzichten. Massnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur für den Veloverkehr werden hoch priorisiert.
Innerhalb der Region werden die drei Zentren Hochdorf, Hitzkirch und Eschenbach klar als dominierenden Ziele identifiziert. Die vielen Arbeitsplätze, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten in diesen Orten fördern dies. Ausserhalb unserer Region werden als Ziele vor allem Luzern, Sursee, Muri oder Menziken/Reinach genannt. Dabei fährt man in die Stadt Luzern eher mit dem öV, in die anderen Zentren jedoch mit dem Auto. Auf kurze Distanzen kommt der Fuss- und Veloverkehr in den Fokus. Der hausgemachte Verkehr könnte damit teilweise stark reduziert werden. Aber selbst auf kurzen Strecken muss eine sichere Veloinfrastruktur vorhanden sein, damit mehr Menschen bereit sind, dieses Verkehrsmittel zu wählen. Für die Nutzung des öV in Nachbardörfer wären höhere Taktfrequenzen notwendig.
Fehlende und mangelhafte Verbindungen
Diese Thematik bezieht sich auf den öV und den Langsamverkehr, weniger auf den motorisierten Individualverkehr. Innerhalb der Region wird die fehlende Erschliessung von Urswil, Lieli und Sulz bemängelt sowie das Fehlen von öV zwischen Aesch und dem Bahnhof Mosen. Zur Erreichung von Zielen über die Regionsgrenzen hinaus fehlen der Bevölkerung diverse Verbindungen. So wird gewünscht, dass Muri von Hitzkirch und Schongau besser erreicht werden kann.
Auch die Verbindung zwischen dem Kanton Luzern und dem Kanton Aargau auf der Ostseite des Hallwilersees ist ein grosses Anliegen. Gegen Westen ist Sursee ein wichtiges Ziel, wo Verbindungen aus Hochdorf und Hitzkirch gewünscht werden. Trotz der S9 nach Luzern besteht in Eschenbach weiter das Bedürfnis, auch Rain und Rothenburg direkter und besser erreichen zu können. Verbesserungen sind gewünscht für die Erreichbarkeit der Stadt Luzern, wobei die Limiten der Seetalbahn vor der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs zur Kenntnis genommen werden müssen. Weiter besteht gemäss der Umfrage auch Bedarf an einer Verbesserung der Busverbindung nach Rotkreuz.
Im Langsamverkehr gibt es viele Lücken vor allem im Velonetz. Am markantesten zeigt sich hier die schon lange geplante, aber immer noch fehlende Radweginfrastruktur zwischen Baldegg und Gelfingen. Die Schliessung dieser Lücke würde mit Sicherheit dem Veloverkehr im Seetal Auftrieb verleihen.
Stimmungsbild
Im Rahmen der Umfrage wurde ein Stimmungsbild zur Mobilität im Seetal abgeholt. Dabei konnten die Teilnehmenden verschiedene Aussagen bewerten, in dem sie angaben, ob sie der Aussage zustimmen oder nicht. Offensichtlich ist man mit der Parkplatzsituation, dem Fusswegnetz und dem aktuellen Geschwindigkeitsregime auf den Strassen einverstanden. Weniger Zustimmung erhält die Erschliessungsdichte mit öV und insbesondere auch die öV-Anbindung der Nachbarregionen, das Strassennetz, welches teilweise der Belastung nicht mehr standhält, sowie die vorhandene Veloinfrastruktur.
Wichtigste Massnahmen
Aus der Umfrage geht klar hervor, dass die Bevölkerung sich wirksame Massnahmen zur besseren öV-Erschliessung innerhalb des Seetals, aber auch neue oder verbesserte öV-Anbindungen an Zentren in Nachbarregionen erwünscht. Ebenfalls hoch im Kurs steht der Ausbau der Infrastruktur für den Veloverkehr, wo es im Seetal definitiv viel Nachholbedarf gibt.
Verständlicherweise wünscht sich ein grosser Teil der Bevölkerung auch die Minimierung des Durchgangsverkehrs durch die Ortszentren. Die Belastungen in einzelnen Gemeinden nehmen immer mehr zu und haben offensichtlich die Grenze des Ertragbaren überschritten. Dies ist ein klarer Hinweis, dass die am stärksten belasteten Orte durch Umfahrungen entlastet werden sollten. (pd)
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Welche Zielorte dominieren?
Im Rahmen der kartenbasierten Fragen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, wichtige Orte im und um das Seetal zu markieren. Dabei wurde einerseits abgefragt, um was für einen Ort es sich handelt (Einkauf/Dienstleistung, Freizeitort oder weiterer wichtiger Ort) und andererseits, mit welchem Verkehrsmittel dieser Ort in der Regel erreicht wird. Hohe Konzentrationen von eingetragenen wichtigen Zielorten im Seetal bestehen in Hochdorf, Hitzkirch und Eschenbach. Ausserhalb des Seetals wurden zahlreiche wichtige Zielorte in der Stadt Luzern, in Sursee, Muri und Menziken/Reinach angegeben. Aus der Angabe zur Art oder dem Zweck zeigt sich eine hohe Varianz an Zielorten beziehungsweise Nutzungen in den Ortskernen/Zentren, insbesondere im Seetal und der Stadt Luzern. Im Raum Menziken/Reinach und Muri wurden nur wenige Zielorte zu Freizeitzwecken verortet. Neben den Konzentrationen von Freizeitorten in den Zentren sowie an den Seen verteilen sich die markierten Freizeitorte über die gesamte Region beziehungsweise über deren Grenzen hinaus, wobei entlang des Lindenbergs zahlreiche Ziele für die Freizeit eingetragen wurden. (pd)
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