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Seetal | Hochdorf

Niederschwellige Betreuung bei Diabetes

Die diplomierte Pflegefachfrau und HSLU- Studentin Felicia Zünd (23) hat sich in einer Bachelorarbeit mit dem Einfluss von Telenursing auf Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 befasst.  Die in der Schweiz noch ausbaufähige Fernbetreuung von Diabetesbetroffenen  kann helfen – es seien aber noch weitere Studien erforderlich, schlussfolgert die Hochdorferin. 

von André Widmer

 

Diabetes kann man getrost als Volkskrankheit bezeichnen. Und zwar nicht unbedingt der angeborene Typ 1, bei dem der Körper kein eigenes Insulin produziert und von dem rund 50 000 Menschen betroffen sind. Sondern eher der Diabetes Typ 2, den schätzungsweise rund eine halbe Million 
Menschen haben. 

Dieses Diabetes kommt nicht nur häufiger vor, sondern entwickelt sich auch aus verschiedenen Gründen: Beispielsweise wegen ungesunder Ernährung oder Bewegungsmangel. Im Alter öfters vorkommend, kann schon früher eine Tendenz erkennbar sein (Prädiabetes), sofern man regelmässig ein Blutbild erstellen lässt.

Die Hochdorferin Felicia Zünd hat im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule Luzern (HSLU) eine Bachelorarbeit verfasst, die sich mit einem spezifischen Aspekt zur Diabetes-Problematik befasst: «Der Einfluss von Telenursing auf die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2». 

In ihrer Arbeit als diplomierte Pflegekraft in der Chirurgie am Kantonsspital Luzern sei Diabetes präsent. «Ich komme immer wieder mit Diabetespatienten in Kontakt, das Thema ist sehr präsent», erläutert Felicia Zünd. «In den sieben Jahren, in denen ich der Pflege tätig bin, nimmt dies immer mehr zu.» 

Ernährung und Aktivitäten als Prävention

Im Bereich der Chirurgie versuche man öfters, auch von Diabetes geschädigte Gefässe zu retten beziehungsweise zu behandeln. Zu jenem Zeitpunkt ist das Problem aber bereits ausgeprägter. Felicia Zünd zeigt sich deshalb überzeugt, dass sich insbesondere durch Prävention und konsequentem Therapiemanagement viel verhindern lässt. Hier wären konsequente Anpassungen bei der Ernährung, aber auch mehr körperliche Aktivitäten angezeigt. Wer durch Diabetes geschädigte Organe oder Gefässe hat, bei dem ist der Schaden nämlich bereits angerichtet. 

Mit dem Fortschreiten der Krankheit können im Verlauf die Tabletten (Antidiabetika) nicht mehr ausreichen und eine Injektion notwendig werden, so Zünd. 

Auch dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen begegnen

Felicia Zünd weist darauf hin, dass mit der Zunahme von chronischen Erkrankungen mehr medizinische und pflegerische Dienstleistungen erbracht werden müssen – ergo auch mehr entsprechendes Personal nötig ist, seien es Ärzte oder Pflegepersonal. Das Gesundheitswesen hingegen ist tendenziell mit einem Fachkräftemangel konfrontiert – und hier kann Telenursing zum Einsatz kommen. Da in der Schweiz entsprechende Studien derzeit nicht verfügbar sind und auch Telenursing kaum zur Anwendung gelangt, hat Felicia Zünd in ihrer Bachelorarbeit fünf Studien aus dem Ausland berücksichtigt. 

Laut einer Studie aus dem Jahre 2025 würden über 50 Prozent der Betroffenen «nur ein geringes Mass an Selbstmanagementfähigkeiten» aufweisen, schildert Zünd. Nur ein kleiner Teil halte sich an Ernährungsempfehlungen oder regelmässige Blutzuckermessungen. Telehealth beziehungsweise Telenursing könne neue Betreuungsstrukturen schaffen, wird das BAG von 2019 in der Bachelorarbeit von Zünd zitiert und dass «die Menschen dazu befähigt, sich vermehrt aktiv in ihre eigene Gesundheitsversorgung einzubringen».

Ein interessanter Ansatz findet sich in der von Felicia Zünd erwähnten Studie aus Thailand aus dem Jahre 2023. Diese Studie untersuchte den Ansatz von präferenzenorientierten SMS-Erinnerungen, wobei hier Betroffene mit Diabetes Typ 2 und mit der Einnahme von oralen Antidiabetesmedikamenten berücksichtigt wurden, ausschliesslich die Interventionsgruppe erhielt SMS-Erinnerungen. Ein Vergleich zeigte, dass die Gruppe mit der regelmässigen Einnahme und der SMS-Erinnerung signifikant bessere Mittelwerte aufwies. 

Eine Studie der Südkoreaner Park und Park entwickelt ein «pflegegeleitetes, digitales Selbstfürsorgeprogramm» für über 65-Jährige. Eine Studie von Gerber und Mitautoren befasst sich mit der Wirksamkeit eines teambasierten mHealth-Betreuungsmodells – hier betreuen Apotheker und Gesundheitscoaches die Betroffenen per Telemedizin via Audio- und Videokonferenzen. Eine Studie aus Indonesien wiederum verfolgt ein Gesundheitscoaching mit App. 

Felicia Zünd analysiert auch aufgrund einer Studie: «Telenursing nutzt dabei einzelne oder in Kombination unterschiedliche Kommunikationskanäle wie beispielsweise telefonische Konsultationen, SMS-Nachrichten sowie mobile Applikationen.» Telenursing könne zeitliche und geografische Barrieren überwinden und einen niederschwelligen Zugang zur Bevölkerung schaffen.

SMS-Erinnerungen können sich positiv auswirken

Felicia Zünd schlussfolgert, dass Telenursing zumindest kurzzeitig das Potenzial besitze, einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität zu haben. Es gebe Hinweise, dass einfache Methoden wie SMS-Erinnerungen sich positiv auswirken. Sie sieht es aber auch eher als Ergänzung, da beim Faktor Mensch auch der persönliche Kontakt vor Ort von vielen Betroffenen doch noch favorisiert wird. Im Gespräch mit dem Seetaler Boten sagt sie, es gäbe viele Varianten. Doch es brauche eine enge Betreuung und Wissensvermittlung.

Die Betroffenen sollen befähigt werden, diese bräuchten selber aber auch Selbstdisziplin. Diabetes kann sehr starke Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. «Viele sind sich der langfristigen Konsequenzen nicht bewusst», sagt Felicia Zünd. Sie sagt auch, dass in der Schweiz noch die Studien fehlen und sich Fragen der Datensicherheit stellen. 

Nach dem erfolgreichen Studienabschluss mit Bachelor (siehe Zweittext zur Diplomvergabe der HSLU) kann sich Felicia Zünd auch einen beruflichen Perspektivwechsel vorstellen, erläutert sie zu ihren Zukunftsplänen. Sie möchte sich aber derzeit noch nicht konkret festlegen. 


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