Projekt Talstrasse soll gestrichen werden

Die Verkehrs- und Baukommission des Kantons Luzern beantragt, das Projekt Talstrasse zu streichen. Das letzte Wort dazu hat der Kantonsrat.

Gegner und Befürworter der Talstrasse sind sich einig: Die Verkehrsprobleme im Seetal müssen gelöst werden.

Ein Paukenschlag für das «Jahrhundertprojekt» Talstrasse. Das Projekt soll gestrichen und dafür sollen Gelder für Planungsmittel für eine Optimierung entlang der bestehenden Achse eingestellt werden. So beantragt es die Verkehrs- und Baukommission des Kantons Luzern (VBK). Die Linienführung sei nicht mehrheitsfähig, so eine Medienmitteilung der VBK. Genau dies sei auch der Hauptgrund für den Antrag gewesen, sagt der Präsident der Kommission, Markus Odermatt aus Ballwil. «Es ging vor allem um die Uneinigkeit, welche in der Region Seetal herrscht.» Oder ging es vielleicht darum, Mittel freizuschaufeln für andere Projekte? Pius Höltschi, Sprecher der Idee Seetal AG in Sachen Talstrasse, stellt zumindest diese Frage. «Wenn ein Jahrhundertprojekt, das umstritten ist, gestrichen wird, werden Mittel frei für andere Projekte in anderen Kantonsteilen. Waren das Hintergründe zur Entscheidung der VBK?» «Ganz klar Nein», antwortet Markus Odermatt. «Die Talstrasse ist im Bauprogramm im Topf C aufgeführt. Mit der Streichung werden keine Gelder frei für aktuelle Projekte.» Odermatt betont, dass die Projekte im Topf A, Projekte also, welche in den nächsten vier Jahren ausgeführt werden sollen, nicht angefasst wurden. In diesem Topf A sind aber zwei Millionen Franken für das Vorprojekt der Talstrasse eingestellt. Die Kommission beantragt nun, diese Gelder dort zu belassen und für die Planung von Lösungen entlang der bestehenden Achse einzusetzen. Denn dies sei für alle in der Kommission klar gewesen: «Die Verkehrsprobleme bestehen und man muss nach Lösungen suchen. Darum sollen dafür auch Gelder eingesetzt werden.» Nur sollen nun neue Alternativen gesucht werden.

 «Schützenhilfe» für diese Sichtweise bekommt die Kommission von der Regierung selber. Denn diese hat ein Postulat von Jacqueline Mennel ­Kaeslin für erheblich erklärt. In diesem Postulat der SP-Kantonsrätin wird der Regierungsrat beauftragt, Alternativen zur Talstrasse zu überpüfen. Also eine Variante, «die weitgehend auf der bisherigen Linienführung aufbaut», so das Postulat im Wortlaut. «Der Entscheid der Regierung, dieses Postulat für erheblich zu erklären, war zum Zeitpunkt unserer Diskussion in der Kommission noch nicht bekannt», betont Markus Odermatt.

Die SP teilte wenige Minuten nach der Medienmitteilung der VBK mit, erfreut über den Entscheid der Kommission zu sein, das Projekt Talstras­se zu beerdigen. «So wird nicht weiterhin viel Geld in die Planung eines Projekts gesteckt, welches die Bevölkerung letztlich gar nicht will.» Um die bestehenden Verkehrsprobleme im Seetal zu lösen, müssten nun Alternativen auf der bestehenden Linienführung geprüft werden, so die Mitteilung weiter.

Probleme nur verlagert

«Wir haben den Entscheid der Kommission mit Genugtuung zur Kenntnis genommen», sagt Dominik Thali, Mitglied der Kerngruppe der IG QuerfeldNein. «Die VBK hat scheinbar unsere Argumentationen ernst genommen, dass die Probleme auf der bestehenden Achse angegangen werden müssen.» Schliesslich gehe es um eine vernünftige Verkehrslösung. «Die Talstrasse hätte die Probleme nur verlagert.» Thali vermutet, dass die von der IG QuerfeldNein eingereichte Petition bei der Entscheidung der Kommission ein gewisses Gewicht hatte. «Die 2600 Unterschriften hatten sicher einen Einfluss.» Auch Pius Höltschi, der mehrfach betont hat, die Talstrasse sei die einzige mögliche Lösung der Verkehrsprobleme, sieht einen möglichen Grund für den Entscheid der Kommission in der Gegnerschaft der Talstrasse. «Die zunehmende Gegnerschaft hat wohl einen gewissen Einfluss auf dieses Resultat bewirkt.» Entscheidend sei aber, zu welchem Beschluss der Kantonsrat in Sachen Talstras­se komme. «Ich gehe nach wie vor davon aus, dass das Jahrhundertprojekt Talstrasse einem Topf zugeordnet wird. Welchem, das werden wir ja sehen.» Auch Dominik Thali weiss, «das Ganze ist noch nicht gegessen.» Er gehe aber davon aus, dass das Parlament dem Antrag der Kommission folgen wird, «vor allem, weil die Kommission einstimmig entschieden hat.»

Talstrasse-Krimi

Wie der Kantonsrat in seiner Novembersession entscheiden wird, weiss auch Markus Odermatt nicht. «Normalerweise folgt der Rat den Anträgen der Kommission. Es wird aber sicher einiges zu diskutieren geben.» Die Novembersession kann sich also zu einem veritablen Talstrasse-Krimi entwickeln. Wie auch immer sich der Kantonsrat entscheiden wird, die Verkehrsprobleme im Seetal, vor allem zwischen Eschenbach und Hochdorf, bestehen weiterhin, und dagegen muss, darin sind sich alle einig, etwas unternommen werden. «Die IG QuerfeldNein wird weiterhin mitdiskutieren. Wir stehen mit unseren Kompetenzen zur Verfügung und werden weiterhin unsere Ideen einbringen», sagt Dominik Thali. Eine Lösung der Verkehrsprobleme werde aber zunehmend schwieriger. «Letztendlich kann nur eine Verminderung des Verkehrsaufkommens eine Linderung bringen.» Lösungen könnten also für viele auch unbequem werden. Aber vielleicht brauche es nun auch visionäre Ideen, «wie zum Beispiel der Viertelstundentakt der S9.» Die IG stehe für eine vernünftige Verkehrslösung, «was aber vernünftig ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander», so Thali weiter. Darum werde sich die IG auch weiterhin einsetzen.

Wenn der Kantonsrat dem Antrag der VBK zustimmt und das Projekt streicht, wird dies auch Konsequenzen für die Idee Seetal AG haben. Denn die Talstrasse ist als Auftrag im Regionalen Entwicklungsplan (REP) verankert. Auf Anfrage verweist die Geschäftsführerin der Idee Seetal AG, Anita Dietrich, auf den Sprecher Pius Höltschi. Und dieser betont, eine Frage zur REP-Verankerung sei zu verfrüht. «Ich werde mich erst nach dem Kantonsratsentscheid differenziert dazu äussern können.»

Ein Projekt im Bauprogramm

Viele Augen werden also während der Novembersession auf die Parlamentarier gerichtet sein und man darf mit Spannung die Diskussionen und die Entscheidungen erwarten. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Talstras­se nur eines von vielen Projekten im aktuellen Bauprogramm ist und darum nicht das einzige Thema sein wird. Trotzdem wird der Entscheid der Rates in Sachen Talstrasse so oder so wegweisend sein für das Seetal. Das Projekt Talstrasse wird dabei in seine nächste oder letzte Runde gehen.

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