«DaSein» für die letzte Etappe
von André Widmer
Ein Schiff segelt hinaus und ich beobachte, wie es am Horizont verschwindet». So beginnt das Gedicht «Was ist Sterben» von Charles Henry Brent (1862 – 1929), einem in Kanada geborenen Theologen. Der letzte Weg eines Menschen kann beschwerlich oder auch als leicht erlebbar sein – so oder so bedeutet er aber einen Abschied.
Die Sterbebegleitgruppe Hochdorf und Umgebung hat sich der Aufgabe verschrieben, in Pflegeheimen oder auch zu Hause an der Seite von Sterbenden und Schwerkranken zu sein. Dies, damit den Betroffenen Sicherheit und Geborgenheit vermittelt werden kann auf dieser Etappe, aber auch, um die Angehörigen zu entlasten. Formiert wurde die Sterbebegleitgruppe, die auch heute noch religiös und politisch neutral ist, von Freiwilligen im Jahre 1987, wobei die Initiative vom Pfarreirat ausging. Gemeindekrankenschwester, Heimleiterinnen, Pfarrer beider Konfessionen und Privatpersonen nahmen am ersten Gespräch teil, ein Planungskomitee organisierte fünf Abende zur Information und Ausbildung für die Freiwilligen.
«Eine Herzensangelegenheit»
Jetzt, 40 Jahre später, sind es 16 Frauen, die sich als Freiwillige bei der wichtigen Aufgabe der Sterbebegleitung engagieren. Aus versicherungstechnischen Gründen organisiert man sich nun neu in einem Verein, der in dieser Woche gegründet wurde. Dem dreiköpfigen Vorstand des Vereins DaSein gehören Luzia Marty, Claudia Drysdale Stettler und Monika Bucher-Siegrist an. «Es ist eine Herzensangelegenheit für uns alle», sagt Drysdale Stettler zum Engagement für diese alles andere als leichte Aufgabe. Auch Marty und Bucher-Siegrist fanden vor Jahren schon Interesse am Thema. «Wenn man lebt, kann einem das Sterben nicht gleichgültig sein», sagt Monika Bucher-Siegrist.
Auch wenn viele der Frauen, die sich bei der Gruppe freiwillig engagieren, auch über Erfahrung aus dem pflegerischen Bereich verfügen, ist die Tätigkeit der Sterbebegleitung klar umrissen. So ist festgehalten, dass die medizinische und pflegerische Verantwortung in jedem Fall bei den entsprechenden Institutionen bleibt – sei es beim Pflegeheim oder der Spitex. Auf die Telefonnummer 077 507 95 71 melden sich meist Pflegeeinrichtungen, aber auch Familien, um die Sterbebegleitung für Klientinnen, Klienten oder Angehörige in Anspruch zu nehmen. Meist findet die Begleitung also in Institutionen, eher weniger daheim statt. Und oft handelt es sich um ältere Personen, die im Sterbeprozess begleitet werden, aber hie und da auch jüngere, beispielsweise mit Krebserkrankungen. Die Hilfe der Sterbebegleitung ist zeitlich begrenzt – meist von 22 bis 6 Uhr, also in der Nacht. Es sind aber auch Einsätze während dem Tag möglich. Die Situation, die Sterbebegleitung in Anspruch zu nehmen, trete zum Beispiel ein, wenn die Angehörigen an die Grenzen ihrer Kräfte kommen und beispielsweise mal eine Nacht durchschlafen möchten. Die Anzahl der Einsätze variiert pro Jahr stark – 2018 waren es 18, im 2024 sogar 80, im Jahr 2025 dann 50.
Nonverbale Kommunikation
Die Länge von Einsätzen kann aufgrund des gesundheitlichen Zustandes der zu begleitenden Personen stark variieren – es sei natürlich schwierig und nicht absehbar. «Jeder geht, wenn er gehen muss», sagt Claudia Drysdale Stettler. Ob eine sterbende Person noch etwas verarbeiten muss und nicht loslassen kann oder dann der Moment kommt, das kann von aussen schwierig zu beurteilen sein. Wie das Leben ist wohl auch das Sterben für jede Person ganz individuell. Es ist die Pforte, durch die man in der Regel selber geht. «Der Mensch weiss es innerlich, davon bin ich überzeugt», sagt Monika Bucher-Siegrist.
Auch wenn die Sterbegleiterinnen auf ihre Einsätze vorbereitet werden, so ist es dennoch essenziell, dass auch sie sich für jeden Fall bewusst entscheiden, ihn anzunehmen. «Das muss jeder selber spüren, man muss nicht, man kann», so Drysdale Stettler. Es sei wichtig, dass man einen Einsatz nicht auf Biegen und Brechen annehme. «Es ist wichtig, nur hinzugehen, wenn man die Energie dazu hat», sagt Luzia Marty. In der Regel wird man bei einem Einsatz vor Ort darüber informiert, was einem erwartet. Feinfühligkeit ist aber eine wichtige Eigenschaft für diese Einsätze, denn die Kommunikation mit der sterbenden Person verläuft oft nonverbal.
Ein friedlicher Moment
In dem Moment, wenn der Tod Eintritt, herrsche eine spezielle Atmosphäre. Claudia Drysdale Stettler erklärt: «Es ist irgendwie ein heiliger Moment.»
Sterbebegleitung durch Verein DaSein; Kontakt unter Telefonnummer 077 507 95 71.
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