Fokus beim Trinkwasser liegt auf Qualität
In der aktuellen Ausgabe des Mitteilungsblattes «Ermensee aktuell» wird die Trinkwasserqualität thematisiert. Dabei wird darauf hingewiesen, dass der Grenzwert für Chlorathalonil-Metaboliten (R471811) im Grundwasser überschritten wird. Der Grenzwert liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter, gemessen wurde 0,4 beim Typ R471811. Die Gemeinde Ermensee steht mit diesem Problem nicht alleine da. Praktisch alle Gemeinden im Luzerner Seetal kämpfen mit erhöhten Werten. Demgemäss suchen die Gemeinden auch gemeinsam neue Lösungen.
Überschritten werden die Grenz-werte im Grundwasser. Das Quellwasser ist nicht oder weniger stark betroffen. Der Kanton hat bereits 2019 und 2020 aufgrund einer Weisung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) einen Höchstwert verfügt und die Gemeinden bei dessen Überschreitung aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen. Zu diesen Massnahmen gehört unter anderem die schriftliche Information der Bevölkerung. Die Gemeinden mussten alle eingeleiteten Sofortmassnahmen der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz des Kantons mitteilen und bei anhaltender Überschreitung des Grenzwerts weitere Massnahmen treffen.
Chlorothalonil verboten
Metaboliten sind Abbauprodukte von Chemikalien, insbesondere von Pflanzenschutzmitteln. Pflanzenschutzmittel (PSM) mit dem Wirkstoff Chlorothalonil wurden seit den 1970er-Jahren von der Schweizer Landwirtschaft breit eingesetzt für den Schutz verschiedener Kulturen. Sie stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. So hat sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) basierend auf der Peer-Review der Risikobewertung von Chlorothalonil dafür ausgesprochen, die Muttersubstanz in die Kategorie 1B für karzinogene Wirkungen einzustufen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) schliesst sich dieser Beurteilung der EFSA an. Das BLW hat deshalb die Zulassung für Produkte mit diesem Wirkstoff im Januar 2020 entzogen. Die Verwendung von Chlorothalonil wurde verboten, weil 2019 und 2020 Abbauprodukte dieses Wirkstoffs verbreitet und in erhöhten Konzentrationen im Grundwasser und im Trinkwasser gefunden wurden. 2022 wurden landesweit an jeder dritten Messstelle der nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA Konzentrationen der Chlorothalonil-Metaboliten R417888 und R471811 über dem Trinkwasser-Höchstwert gemessen, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV mitteilt. Gegen den Entzug der Zulassung sowie zur öffentlichen Information des BLV zur Trinkwasserrelevanz von Chlorothalonil-Metaboliten wurden Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer) eingereicht. Als Folge davon durfte das BLV die Weisungen der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich machen.
Beschwerden abgewiesen
Die Beschwerden wurden schliesslich vom Gericht abgewiesen. Seither werden die Messresultate regelmässig von den Gemeinden kommuniziert. Das Verbot zeigt auch Wirkung, so hat sich die Wasserqualität verbessert. Eine Massnahme, die verschiedene Gemeinden im Seetal ergriffen haben, besteht darin, Quellwasser zu priorisieren und nur so viel Grundwasser beizumischen, dass die benötigte Menge Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden kann, wie Stefan Trottmann, in Ermensee Gemeinderat Ressort Bau, Umwelt und Wirtschaft, erklärt. Er fügt an: «Die gemeindeeigene Wasserversorgung Ermensee bezieht ihr Trinkwasser aus Quellfassungen und Grundwasser. Während das Quellwasser betreffend Metaboliten grundsätzlich keine Überschreitungen der Höchstwerten aufweist, werden die entsprechenden Grenzwerte beim Grundwasser regelmässig überschritten, sind aber in der Tendenz abnehmend.»
Investitionen in Unterhalt
Die Gemeinde Ermensee investiert laut Stefan Trottmann regelmässig hohe Beträge in den Unterhalt und die Optimierung der Quellfassungen und -leitungen, um möglichst hohe Mengen des hochwertigen Quellwassers in das Trinkwassernetz einzuleiten: «Diesbezüglich werden aktuell Schutzzonen um die bestehenden Quellfassungen neu festgelegt und – wie in den vergangenen Jahren auch – Quellfassungen und deren Leitungen erneuert.» Um längerfristig einwandfreies Trinkwasser liefern zu können, engagieren sich die Seetaler Gemeinden mit dem Regionalen Entwicklungsträger Idee Seetal im Projekt «Wasser Seetal». Dabei geht es etwas vereinfacht gesagt darum, Wasser aus der Reussebene ins Seetal zu pumpen. An diesem Projekt beteiligen sich acht Seetaler Gemeinden, wie Raimund Wenger, Geschäftsführer von Idee Seetal, ausführt. Die Massnahme ist zwar seit Längerem im Gespräch, allerdings hat sich der Fokus in jüngster Zeit von der Quantität immer mehr in Richtung Qualität verschoben. Idee Seetal hat im Dezember 2025 rund 20 000 Franken investiert, um die acht wichtigsten Grundwasserfassungen – zwei davon im Reusstal, die restlichen im Seetal – auf verschiedenste Schadstoffe zu untersuchen.
Komplexe Materie
Die gute Nachricht dabei ist gemäss Martin Schibli, Waldburger Ingenieure AG, dass kaum PFAS-Rückstände festgestellt wurden. Bei den Chlorothalonil-Metaboliten hätte man erwartet, dass sich diese mit der Zeit abbauen. Man geht von einer Halbwertszeit von 128 bis 1000 Tagen aus. Es ist bekannt, dass die Abbauprozesse von einer Vielzahl von Faktoren (Einzugsgebiet, Bodenaufbau) abhängig sind und darum sich nicht überall gleich verhalten. Während sie an manchen Orten tendenziell sinken, bleiben sie an anderen konstant oder steigen zwischendurch sogar wieder an. Laut Raimund Wenger soll als nächster Schritt eine öffentlich-rechtliche Unternehmung gegründet werden, um die Wasserbeschaffung mit Versorgern aus der Reussebene zu regeln und die notwendigen Transportleistungen durch das Seetal zu realisieren. Mitte 2027 soll die Organisation die operativen Geschäfte aufnehmen. Bis die notwendigen Baubewilligungen vorliegen und mit den Arbeiten begonnen wird, dürften zwischen drei und fünf Jahre vergehen.
Das Trinkwasser ist gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) nach wie vor geniessbar. Der gesetzliche Höchstwert wurde nicht aus toxikologischen Gründen, sondern als Vorsichtsmassnahme festgelegt. Chlorothalonil-Metaboliten dürften aber noch über längere Zeit im Trink- und Grundwasser nachweisbar bleiben.
Newsletter
Melden Sie sich hier kostenlos für unseren Newsletter an und erhalten Sie die neusten Nachrichten aus der Region Willisau, dem Wiggertal, dem Kanton Luzern und Sport regelmässig am Morgen in Ihr E-Mail-Postfach.
Anmelden
Kommentieren & mitreden
Sie wollen diesen Artikel kommentieren? Kommentieren Sie sachlich, respektvoll. Wir freuen uns.
Hier registrieren und vollen Zugang erhaltenSie haben bereits ein Konto ?
Zur Anmeldung