Mit internationalem Ausklang
«Verzweifle nicht an deiner von Grund auf umgegrabenen Erde»: Diese Gewissheit vermitteln die Gedichte des Lyrikers Salvatore Smedile, der am Freitag zum Abschluss des diesjährigen Seetaler Poesiesommers den Schweizer Kulturpreis Premio Masciadri entgegennehmen durfte. Das Zitat des in Turin lebenden Dichters kann gleichsam als Motto der Poesiesommer-Veranstaltungen von letzter Woche stehen. So hatte Wilhelmina Kempe, die schwedische Ehefrau Walthers von Hallwyl, in der Tat viel Erde umgraben lassen – sei›s bei ihren pionierhaften Ausgrabungen im Seetal oder beim Bau des imposanten Hallwylschen Wohnpalasts in Stockholm, der heute zu den beliebten Museen Schwedens zählt. Gösta Sandell, aus Stockholm ins Seetal angereist, erläuterte nach einer erheiternden szenischen Führung durch Rösli Koch im Schloss Hallwyl die komplexe Vita der Wilhelmina, zu der ihre legendäre Passion des Sammelns ebenso wie traumatische familiäre Erlebnisse gehören. Von der Waffensammlung ihres Hauses – nur schon dieser Katalog umfasst 78 Bände – bis zur Unterhose ihres Gatten hielt sie alles auf das Genaueste fest. «Mit ihrer autistischen Veranlagung verfolgte Wilhelmina unbeirrbar ihr Lebensziel, die Kultur ihrer eigenen Zeit und früherer Epochen akribisch zu dokumentieren», bilanzierte Ethnologe Sandell, dessen Ausführungen einen neuen Zugang zum Verständnis der Hallwyl-Museen in Seengen und Stockholm ermöglichen.
Die Linde und die Erle
Eine ganz andere Facette des Poesiesommers war tags zuvor im Michelsamt zu erleben, wo beim Landessender Beromünster als Zeichen des Kulturaustauschs der Schweiz mit Europa seit 2014 das Europawäldli, ein schweizweit einzigartiges Kulturprojekt, gepflanzt wird. Hier bot eine tschechisch-slowakische Delegation ein begeisterndes Kulturprogramm samt Baumpflanzung. «Die Linde als der Nationalbaum Tschechiens und die Erle als Referenz an die diesjährige Kulturhauptstadt Trencin in der Slowakei schlagen künftig Wurzeln in diesem über Generationen heranwachsenden Naturdenkmal», fasst Poesiesommer-Leiter Ulrich Suter die Idee des Europawäldli zusammen. Blanka Kraus und Pavol Ondrísek gaben den Setzlingen mit der Schaufel frische Erde auf den Weg. Und Gastethnologe Gösta Sandell zeigte sich erfreut über das Gedeihen der Birke, die er 2014 hier für Umeå, die schwedische Kulturhauptstadt Europas, gesetzt hatte. Sie ist inzwischen zum höchsten Baum des Europawäldli herangewachsen. pd
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