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Seetal | Hochdorf

Mit moderner Technik schützen

Mittels Drohnen können Rehkitze vor dem Mähtod gerettet werden. Christian Fricker hat ein Crowdfunding-Projekt lanciert, um ein Fluggerät mit Wärmebildtechnik zu erwerben und im Luzerner Seetal einzusetzen.

Daniel Schmuki

Das Projekt ist «jung» und sinnstiftend. Seit Sonntag können Spenderinnen und Spender das Crowdfunding-Projekt «Rehkitz-Rettungsdrohne im Seetal» von Christian Fricker (44) innert drei Monaten finanziell unterstützen. Mit moderner Technik, die auch eine Wärmebildkamera beinhaltet, sollen Rehkitze im hohen Gras ausfindig gemacht werden und damit vor dem Tod oder argen Verletzungen durch landwirtschaftliche Mähmaschinen gerettet werden. Angaben zum Projekt finden sich auf der Plattform Lokalhelden, die von der Raiffeisenbank betrieben wird. Die Thematik ist von hoher Relevanz, denn laut dem gemeinnützigen Verein «Rehkitzrettung Schweiz» sterben landesweit jährlich mehrere Tausend Rehkitze bei der Grasernte. Die Dunkelziffer dürfte noch einiges höher liegen.

Christian Fricker ist in Ballwil aufgewachsen und lebt mittlerweile in Hochdorf. Er hat einen starken Bezug zum Seetal, das er auch als das künftige Einsatzgebiet der Drohne definiert. «Das Ziel ist, Wiesen vor dem Mähen frühmorgens aus der Luft abzusuchen und versteckte Rehkitze rechtzeitig zu lokalisieren», sagt der gelernte Geomatiker und kommt gleich auf einen wichtigen Punkt zu sprechen: «Frühmorgens sind in den sommerlichen Monaten die Temperaturen am geringsten, weshalb der Unterschied zur Körperwärme am höchsten ist. Nur so können die Tiere auf der Wärmebildkamera geortet werden.» Weiter sollte das Mähen zeitnah zur Einsatzzeit einer Drohne erfolgen. «Kommt der Landwirt erst am Nachmittag, so ist die Wahrscheinlichkeit einiges höher, dass sich bereits wieder Rehkitze im hohen Gras befinden», erläutert der Tierfreund.

Ausbildung mit Attrappen
Die Sammlung der erforderlichen finanziellen Mittel zum Kauf einer Drohne mit Wärmebildkamera sind denn auch das primäre Ziel des Crowdfunding-Projekts. Der Mindestbetrag ist mit 7000 Franken angegeben, der Wunschbetrag liegt bei 12 500 Franken. Die Differenz erklärt sich durch die Anschaffung von Komponenten, die über die Drohne und das wichtigste Zubehör wie Akkus und Transportkoffer hinausgehen. «Weiter sind auch Ausbildungskosten eingerechnet», so Fricker. Eine Ausbildung zum Drohnenpilot ist erforderlich, sobald die Fluggeräte das Mindestgewicht von 250 Gramm erreichen. Christian Fricker hat mit seiner Ausbildung bereits im letzten Herbst begonnen. «Ich nahm an einem Probeflugtag in Unterkulm teil. Wir waren 16 Teilnehmer und acht Instruktoren. Dabei lernten wir, die Drohne zu navigieren. Es wurden Reh-Attrappen platziert, die mit einer warmen Wasserflasche gefüllt waren, und wir lernten die Bilder auf dem Monitor zu lesen.»

Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle für die Rehkitzrettung. Vorerst beeinflusst es das Setzverhalten der Rehgeissen. An warmen und trockenen Tagen werden vermehrt offene Wiesen mit hohem Gras als Setzplätze genutzt, bei Nässe meiden hingegen Rehgeissen feuchte Wiesen eher und suchen geschützte Plätze im Wald als Setzplatz. Selbst wenn Drohnen für die Suche nach Rehkitzen bei Nieselregen eingesetzt werden können, so unterstützen gute Sichtbedingungen und zuverlässige Flugverhältnisse den effizienten und sicheren Einsatz der Rettungsteams. Damit ist nicht nur der Drohnenpilot gemeint, sondern ebenfalls die Helfer in unmittelbarer Nähe des Rehkitzes. Wird ein Rehkitz geortet, so werden weitere Helfer zum Tier dirigiert. «Es kann sein, dass man einen Fuss breit neben dem Tier steht, dieses aber aufgrund des dichten und hohen Grases immer noch nicht sieht», sagt der ehrenamtliche Tierschützer. Wird das Tier effektiv lokalisiert, so gilt es dieses vor der möglichen Mähgefahr abzusichern. Ein Tier kann vorerst mittels einer Kiste geschützt werden, die über das Tier gelegt wird. Die Rettungsteams informieren die Jagdgesellschaften, die wiederum Meldung bei den entsprechenden Landwirten machen. Alle Involvierten arbeiten eng zusammen.

Vielseitige Werbung
Die Hauptsaison für die Rehkitzrettung dauert normalerweise von Ende April bis Anfang Juli. «Das ist auch der Grund, weshalb ich das Crowdfunding-Projekt nun gestartet habe», so Fricker. Die Sensibilität für das Thema dürfte momentan am höchsten sein, selbst wenn die finanziellen Mittel erst für die kommende Saison für eine Drohne und die Rehkitz-Drohnenpilotausbildung ab Januar 2027 genutzt werden. Nebst dem Crowdfunding haben sich auch belebte öffentliche Plätze, insbesondere Bahnhöfe, als ideal erwiesen, um mittels eines Aushangs auf das Anliegen aufmerksam zu machen. Und natürlich nutzt Christian Fricker auch die sozialen Kanäle, Medien wie Facebook, Instagram oder Whatsapp.

Bleibt die Frage, wie erfolgreich das Projekt angelaufen ist. Vier Tage nach Projektstart konnten bereits 13 Unterstützungen verzeichnet werden, die einen Gesamtbetrag von 1340 Franken aufbringen. Sollte das Projekt nicht zustande kommen, werden sämtliche einbezahlten Beträge zurückerstattet. Sollte mehr als der Wunschbetrag erreicht werden, dann wird in die Ausrüstung (zusätzliche Akkupacks für mehr Flugzeit, Funkgeräte mit Headset, um die Hände frei zu haben) und optionales Zubehör für andere Drohnenanwendungen investiert. Zusätzlicher Überschuss wird an den Verein «Rehkitzrettung Schweiz» gespendet.

Das Projekt findet sich unter folgendem Link: https://www.lokalhelden.ch/rehkitz-rettung-im-seetal


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