«Einmal Näburuugger, immer Näburuugger»

Die «Näburuugger Mosen» feiern in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen. Franz Kurmann und sein Sohn Marco geben einen Einblick, was es bedeutet, ein Näburuugger zu sein.

Milena Stadelmann

Trompeten erklingen. Ein Näburuugger schlägt im Rhythmus des Liedes «Smoke on the Water» auf seine Pauke. Tambi Lisa Elmiger gibt den Takt an. Die Probe der Guuggenmusig hat begonnen. Mittendrin ist Marco Kurmann. Für den Posaunisten steht die zweite Fasnacht mit den Näburuuggern an. Die Wahl, welcher Guugge er beitreten möchte, fiel dem 19-jährigen Moser leicht. Nicht nur seine Schwester ist Mitglied bei den Näburuuggern, auch sein Vater Franz Kurmann spielte mehrere Jahre mit. Aktiv ist der 57-Jährige heute zwar nicht mehr, dennoch fühlt er sich mit der Guuggenmusig eng verbunden: «Einmal Näburuugger, immer Näburuugger», sagt er. So überrascht es kaum, dass an der Wohnzimmerwand der Familie Kurmann alle Plaketten der Guugge hängen. Bald kommt eine weitere dazu.

Die «Näburuugger Mosen» feiern in diesem Jahr ihren 35. Geburtstag. Franz Kurmann hat die Anfänge miterlebt. Gegründet wurde die Formation 1988 als Schülerguuggenmusig. Damals noch unter dem Namen «Herligügeler». An der ersten Fasnacht amteten Kurt Schüpfer und seine Frau Irène als Zunftmeisterpaar. Die kleine Gruppe wuchs in den nächsten Jahren an und nahm zunehmend an Auftritten teil. Franz Kurmann trat der Guuggenmusig 1990 bei. Zwei Jahre später standen die inzwischen genannten «Herligügger» aus mehreren Gründen kurz vor dem Aus. Unter anderem war das Proben im Luftschutzkeller in Herlisberg nicht mehr möglich. Aufzuhören kam für die Guugge aber nicht infrage. Sie zog nach Mosen und nannte sich ab der Fasnacht 1993 «Näburuugger Seetal». Franz Kurmann übernahm von Markus Lang das Präsidium der Guuggenmusig und wurde damit zum ersten Präsidenten der Näburuugger.

«E chli en Omkehrte»
Bei den «Näburuugger Seetal» spielten, wie es der Name schon sagt, Menschen aus dem ganzen Seetal mit. Ab 1999 wurde die Guuggenmusig in «Näburuugger Mosen» unbenannt. «Wir wurden oft als die Heimatlosen bezeichnet», sagt Franz Kurmann. Mit der Umbenennung bekam die Guugge einen Heimatort. Franz Kurmann hat viele schöne Erinnerungen an die Zeit mit den Näburuuggern. Dort bürgerte sich auch sein Spitzname «Znarf» ein. Er sei manchmal «e chli en Omkehrte». Daher würde das gut zu ihm passen, sagt der gelernte Heizungsinstallateur. An der Fasnacht mag er besonders das «Gesellige» und man könne «einmal anders sein, als sonst». Für die fünfte Jahreszeit liess sich Franz Kurmann immer einen Bart wachsen, am Aeschermittwoch rasierte er ihn wieder ab. Auch das gemeinsame Musizieren gefiel dem Moser. Er spielte Es-Bass. Noten lesen, habe er nie gekonnt. «Ich habe immer nach Gehör gespielt», sagt er. Dementsprechend habe es auch geklungen. Gestört habe ihn das nie. Etwas Schönes an der Fasnacht sei schliesslich, dass Nichtmusikerinnen und -musiker in der Fasnachtswoche musizieren dürfen. Ein Auftritt blieb dem 57-Jährigen besonders in Erinnerung. Nach einer Fasnacht, die musikalisch nicht gut lief, traten die Näburuugger an einem Güdisdienstag in der Katakombe der alten Braui in Hochdorf auf. «Es hat einfach alles geklappt. Das hat sagenhaft geklungen.»

Die Guuggenmusig hatte damals nicht nur Auftritte in der ganzen Schweiz, sondern auch in Deutschland und in Österreich. Dadurch war Franz Kurmann viel unterwegs. Nach vier Jahren als Präsident gab er sein Amt an Stefan Frey weiter. Ab 1998 war er nicht mehr aktiv bei der Guuggenmusig dabei. Das hatte unter anderem familiäre Gründe. Seine erste Tochter war unterwegs. «Die Zeit hat damals gefehlt.»

Einblick in die Probe der Näburuugger:

«Hamburgerjahr» und Taufe
Heute sind zwei von seinen drei Kindern in die Fussstapfen von Franz Kurmann getreten. Das freut ihn. «Ein Zwang war es aber nie», sagt er. Marco Kurmann ist heuer zum zweiten Mal mit den Näburuuggern unterwegs. Der 19-Jährige befindet sich zurzeit im 4. Lehrjahr zum Elektroinstallateur. Dass er bereits vor seinem Lehrabschluss zusammen mit seinen Freunden der Guugge beitreten wollte, sorgte zuerst für Diskussionen. Schliesslich nehmen die Näburuugger viel Zeit in Anspruch.

«Heute ist das anders als früher», sagt Franz Kurmann. «Ausserhalb der Fasnachtswoche lief bei uns nur wenig.» Heute kämen die Vorfasnacht, Probewochenenden und andere Ausflüge hinzu. «Wir unternehmen auch über die Fasnacht hinaus viele Dinge miteinander», bestätigt sein Sohn. Er ergänzt: Zeitaufwendig sei auch die Organisation des jährlichen Fasnachtsfestes, dem «Monster». Dieses fand am 14. Januar statt. Im nächsten Jahr darf Marco Kurmann die Rolle des OK-Präsidenten übernehmen. «Die Näburuugger sind ein super Verein, mit super Leuten.» Da investiere er gerne seine Zeit.

Der Näburuugger absolvierte 2022 mit seinen Freunden das sogenannte «Hamburgerjahr». Dieses müssen alle Neuzugänger durchlaufen. Die angehenden Näburuugger mussten beispielsweise auf den Schlüssel für den Anhänger aufpassen oder verschiedene Aufgaben bewältigen. Eine wird Marco Kurmann so schnell nicht mehr vergessen: An einem Fest sollten sie mit je einer Person, die Bruno, Stefan und Denise heisst, ein Foto machen. Die Suche nach einer Denise blieb trotz allen Bemühungen erfolglos. Als Strafe mussten sie eine weitere Aufgabe meistern. «Alle Spiele und Strafen bleiben auf einer lustigen Basis», sagt Marco Kurmann. Ist das Hamburgerjahr überstanden, folgt die Taufe zum Mitglied. Was diese beinhaltet, wissen nur die getauften Näburuugger.

Wie sein Vater schätzt Marco Kurmann an der Guuggenmusig die Geselligkeit. Ebenfalls als grossen Vorteil sieht er: Bei den Näburuuggern treffen Personen verschiedenen Alters aufeinander. «So lernt man Menschen kennen, mit denen man ansonsten kaum in Kontakt käme.» Das gemeinsame Musizieren bereitet ihm ebenfalls grossen Spass. «Wenn man einen guten Auftritt hinlegt, stärkt dies den Gruppenzusammenhalt», sagt er. Als Nichtmusiker nimmt Marco Kurmann an den «Hamburgerproben» teil, die ungefähr einen Monat vor den regulären Proben beginnen. Beim Üben gehe es oft lustig zu und her. Im Anschluss trinken die Mitglieder der Guugge oft noch etwas zusammen. Bei Marco Kurmann ist die Vorfreude auf seine zweite Fasnacht gross: «Das wird sicher wieder sehr lustig.»

Ob sich die Näburuugger verglichen mit früher verändert haben? «Heute sind sie zahmer geworden», sagt Franz Kurmann. Bei ihm seien die Proben oft bis in die Nacht hinein gegangen. «Also das nach der Probe», gibt er mit einem Schmunzeln zu. Am Samstag spielen die Näburuuger ein Ständli für die Ehrenmitglieder. Dort will Franz Kurmann dabei sein. «Ich geniesse die Fasnacht nun auf eine andere Art und Weise.» Aber etwas habe sich an der Guugge über all die Jahre nicht verändert: «Die Näburuugger sind ein glatter, zusammengewürfelter Haufen.»

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