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Seetal

Die «Seetaler Brattig 2027» ist erschienen

Ab sofort ist die «Seetaler Brattig 2027» erhältlich. Sie widmet sich auf 136 Seiten schwergewichtig Menschen und ihren Hobbys. Der hier veröffentlichte Beitrag von Josef Bucher über Alex Anderhub gibt Einblick in das Hobby und die Leidenschaft eines Feinmotorikers. Damit erhält die Leserschaft auch exemplarisch einen ersten Zugang zur neuen Brattig.

Josef Bucher

Der Eschenbacher Alex Anderhub (*1946) hat eine ausserordentliche Leidenschaft über Jahrzehnte hinweg zur Perfektion gebracht. Die Faszination für Lokomotiven teilt er wohl mit vielen Menschen. Von Kindheit an war Alex Anderhub ein begabter Bastler. Zusammen mit seinem älteren Bruder Seppi entdeckte er schon früh ein besonderes Interesse an den grossen Stahlkolossen. In der Lehrzeit mit mechanischer Ausbildung erwarb er die Fähigkeiten, mit Metall umzugehen.

1961/62 entschlossen sich die beiden Brüder zum Nachbau einer Ae 6/6-Lok – der sogenannten Wappenlokomotive der SBB. Der Bau erstreckte sich über gut vier Jahre. Die imposante Lok im Massstab 1:20 ist 93 Zentimeter lang, 35 Kilogramm schwer und vollständig aus Stahl gefertigt (siehe Schwarzweiss-Aufnahme in der Bildergalerie). Um an die notwendigen baulichen Informationen zu kommen, musste mit Doppelmeter und Skizzenblock an den Originalloks im Bahnhof Luzern Mass genommen werden, da die Originalpläne damals noch dem Veröffentlichungsbann unterlagen.

Gegen Ende der Bauzeit im Herbst 1965 wurde der erste Luzerner Lehrlingsfreizeit-Wettbewerb lanciert. Obwohl die Lok noch nicht fertig war, entschied sich Alex Anderhub zur Teilnahme. Es blieben nur sechs Monate für die Fertigstellung. In Hans Thomann, einem «Stift» im 2. Lehrjahr, fand er einen engagierten Helfer. Mit Erfolg: Der erstaunliche Detaillierungsgrad der Arbeit überzeugte die Jury und brachte den beiden in der Tagespresse das Prädikat «verkehrshausreif» ein. Bemerkenswert: Sie erhielten einen «Anerkennungspreis» in Form eines Schraubenziehers und einer Flachzange.

Von da an liess Alex Anderhub die Faszination für Eisenbahnen über sechs Jahrzehnte hinweg nicht mehr los. Wegen knapper zeitlicher Ressourcen in seinem beruflichen Alltag als selbstständiger Kartograf mussten weitere Projekte allerdings bis zum Eintritt ins Pensionsalter warten. Umso intensiver widmet er sich seither seiner Leidenschaft. Das jüngste, in 2026 von Alex Anderhub fertiggestellte Modell im Massstab 1:45, Spur 0 ist wiederum eine Ae 6/6. Dieses Modell stellt der Konstrukteur in einem Gespräch mit Josef Bucher genauer vor.


Wieso haben Sie erneut eine Ae 6 /6-Lok nachgebaut?
Alex Anderhub: In der Szene gelten die Dampflok C 5/6, das Krokodil Ce 6/8 und die Ae 6/6 als die Lokomotiven schlechthin. Die im Verkehrshaus stehende Originallok konnte als Fotomodell bei der Konstruktion wertvolle Dienste leisten, was den Entscheid beeinflusste. Es entstanden über 250 Fotos.

Haben Sie sich ohne Weiteres getraut, ein doch recht grosses Projekt in Angriff zu nehmen?
Nein, ich brauchte zuerst eine Eingewöhnung. Im Modelleisenbahn-Kompetenzzentrum in Pura im Kanton Tessin wurde ich während zweier Wochen von versierten Modellbauern mit den Geheimnissen der Spur 0 vertraut gemacht. Ich habe mich an die Aufgabe herangetastet. In den Tagen in Pura und in den nachfolgenden Monaten entstand die Rangierlok Ee 922, genannt Papamobil. Die in den folgenden Jahren realisierten Umbauten von Spielzeugloks aus den 1950er-Jahren brachten die nötige Erfahrung und Sicherheit für das grosse Projekt. Bei der Arbeit am aktuellen Modell 1:45 hatte ich den Anspruch, dass das Modell vom Original fotografisch nicht zu unterscheiden ist. Das war beim Modell von 1966 noch nicht der Fall.

Das ist Ihnen vollauf gelungen, die Präzision ist unglaublich. Ihr Werkplatz gleicht einer Uhrenmanufaktur.
Im Unterschied zum Modell aus dem Jahr 1966 bewegt man sich beim Massstab 1:45 teilweise im Bereich der Feinmechanik. Bei feinsten Bauteilen kann das Spannen im Werkzeugmaschinen-Schraubstock zur besonderen Herausforderung werden. Um ans Ziel zu kommen, ist dann das Herstellen von speziellen Spannvorrichtungen nötig, was unter Umständen sehr zeitraubend sein kann.

Können Sie uns weitere Besonderheiten näherbringen?
Das Entstehen der Lok erlebt man zweimal. Einmal während der CAD-Kon­struktionsphase am Computer und das zweite Mal bei der Fertigung in der Werkstatt. Um böse Überraschungen bei der späteren Montage zu minimieren, wird jedes Bauteil gezeichnet. In Ausnahmefällen reicht auch eine spontan erstellte Bleistiftskizze in der Werkstatt. Das Modell besteht hauptsächlich aus Messing. Es gibt viele bewegliche Teile wie Puffer, Zughaken, Scheibenwischer, Stromabnehmer, Türen zum Öffnen beim Führerstand und andere, die nach den gängigen Maschinenbau­normen hergestellt sind. Um dem Vorbild zu entsprechen, ist jede Achse einzeln mit je einem Maxon-Motor angetrieben. Selbstverständlich sind alle Achsen kugelgelagert und gefedert. Dank ihres seitlichen Spiels ist das Befahren eines Zwei-Meter-Kreises möglich. Gefahren wird mit Gleichstrom – sowohl digital als auch analog mit herkömmlichem Trafo. Für dieses Nebeneinander sind selber entwickelte Leiterplatten vorhanden.

Was freut Sie am Resultat ganz besonders?
Dass das Modell nun nach 15-jähriger Bauzeit genauso so fertig geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Was haben Sie nun mit ihrem fertigen Werk vor?
Ich habe zwei Möglichkeiten: Entweder präsentiere ich die Lok als teilmontiertes Vitrinenmodell in der Szene eines Lokdepots, beispielsweise mit abgehobenem Kasten, damit das detailliert vorhandene «Innenleben» sichtbar bleibt. Oder ich lasse die Lok in einer komplett zusammengebauten Version als Gast auf Clubanlagen fahren. Wobei ich zugeben muss, dass das Fahrenlassen, also das «Isebähnle», nicht mein Ding ist.

Haben Sie noch weitere Pläne?
Ja. Die Dampflokomotive C 5/6, genannt «Elefant» ist bereits in der Vorbereitungsphase. Ein Vorbild steht unter anderem im Verkehrshaus in Luzern. Dadurch können eigene Fotos – nebst Zeichnungen der Stiftung Historisches Erbe der SBB, das heisst SBB Historic – die Konstruktion erleichtern.

Welche Eigenschaften muss ein Modellbauer mitbringen?
Nebst sehr viel Freude und Begeisterung für diese Art des Modellbaus, braucht es ganz viel Sitzleder – und eine gut ausgerüstete Werkstatt.

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Über die «Seetaler Brattig 2027»
Die «Seetaler Brattig» bezeichnet sich als lebendiges Archiv der Geschichte und Geschichten, der Kultur und der Menschen zwischen Reuss und Hallwilersee sowie zwischen Lindenberg und Erlosen. In der Ausgabe 2027 wird ein besonderes Augenmerk auf Menschen und ihre speziellen Freizeitbeschäftigungen gelegt. Dies im Wissen, «dass im Grunde jeder Mensch ein besonderes Hobby hat, weil er und sie selbst einzigartig ist», schreiben die Redaktoren Thomas Binotto und Silke Vry im Vorwort der aktuellen Brattig-Ausgabe.

Kaum jemand betreibt sein Hobby ohne Leidenschaft. Das spürt die Leserschaft bereits mit Blick in das Inhaltsverzeichnis der Brattig 2027. So darf unter anderem über eine Entdeckungsjagd in Hochdorf (Elia Fleischli), Fledermäuse in Hitzkirch (Kim Sidler), das fotografische Vogeljahr (Laurin Mühlebach) und die «Ferrari-Stadt» im Seetal (Hans Peter Ineichen) gelesen werden. Und natürlich findet sich auch der auf dieser Seite publizierte Beitrag von Josef Bucher in der frisch erschienenen Publikation.

Ein weiteres inhaltliches Element der 49. Ausgabe der Brattig bildet der 100-jährige Kalender für das Jahr 2027. Und wie in jedem Jahr gibt es ein Rätsel zu lösen, das wiederum von Bernadette Husmann entwickelt wurde. «Leidhelgeli» erinnern an die übers Jahr Verstorbenen.

Die für das Gesamtprodukt verantwortliche Brattig-Kommission wirkt unter der Leitung von Thomas Binotto. Ihre weiteren Mitglieder sind Esther Galliker, Walter Haller, Otto Helfenstein, Edi Lindegger, Benno Stocker, Margrit Stocker und Dominik Thali. Der Letztgenannte gibt nach 25 Jahren die Verantwortung für die Seetaler Chronik als Teil der Brattig an Benno Büeler weiter. Walter Haller zeichnet mit Farbe und Pinsel verantwortlich für die zahlreichen Illustrationen in der Brattig. (SB)

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Die «Seetaler Brattig 2027» erscheint im Verlag der SWS Medien AG (wie der Seetaler Bote) und ist per sofort an den üblichen Verkaufsstellen zu einem Preis von 18 Franken erhältlich. Der Umfang des 49. Jahrgangs beträgt 136 Seiten, die Auflage rund 3000 Stück.


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